Funkhaus Fünfkirchen

Jahreskonferenz des Minderheitenforschungsinstituts - Aktuelle Fragen – wissenschaftliche Antworten

„Nationale, regionale und Minderheitengesellschaften in Mittel- Europa“ – unter diesem Titel veranstaltete das Minderheitenforschungsinstitut am 24. Mai seine Jahreskonferenz in Budapest, an der ungarischen Akademie der Wissenschaften. Das Thema Nationalitäten wurde aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven behandelt.
Christian Erdei berichtet.

Toth, Dobos und Vizi

Ungarndeutschen, Romas und Auslandsungarn waren die Themen der Vorträge. Das Institut für Minderheitenforschung organisiert jedes Jahr eine Konferenz.  „Einerseits möchten wir auf die wichtigen Fragen im gesellschaftlichen Umfeld reagieren und zeigen, was die Forschung am Institut in diesen Themen gebracht haben und in welche Richtung die Forschungen in der Zukunft gehen sollten. Das andere Ziel ist unsere Arbeit am Institut vorzustellen. Unsere Schwerpunkte sind: Integration und Identität der Minderheiten in Ungarn.“ – erklärte der NZ gegenüber die Direktorin des Instituts, Ágnes Tóth.

Es gab relativ unterschiedliche Themen, die von verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven behandelt worden sind. „Selbst für das Institut ist es vom Vorteil, wenn bei uns Wissenschaftler von verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen vertreten sind. Das Thema Minderheiten ist ja so sehr breit und zusammengesetzt, dass wir nur so das Thema entsprechend aufarbeiten können. Außerdem kann man Parallelitäten erkennen und die Minderheiten besser verstehen, wenn wir die Auslandsungarn und die Ungarndeutschen zum Beispiel parallel erforschen.“ – so Frau Tóth.

Eines der wichtigsten Themen war die Frage der parlamentarischen Vertretung der Minderheiten. Auf dem Tisch der Regierung lege bereits eine Konzeption, einige ihrer Punkte sei aber fraglich – klärte Balázs Dobos, Mitarbeiter des Instituts aus. „Die Gesetzesvorlage appelliert mit einer sogenannten bevorzugten Vertretung im Parlament. Diesbezüglich sind die Vertreter der Minderheiten skeptisch. Von den 13 anerkannten Minderheiten könnten nur 1-2 Nationalitäten einen Mandat in der Gesetzgebung haben.“ Denn laut Rechnungen von András Dobos müssten die Minderheiten für ein Mandat etwa 20 Tausend Wähler- Stimmen bekommen. NichT die Zahl der Nationalitätenzugehörigen sei ein Problem, sondern dass sie in erster Linie für politischen Parteien stimmen. Das war das Problem auch im Jahre 1998, als die Partei Nationalitätenforum, die die Ungarndeutsche, die Kroaten und Slowaken vereinte, nur 12 Tausend Stimmen bekommen hat bei den Parlamentswahlen.
Nach der jetzigen Vorlage könnten ur die Romas schaffen ins Parlament zu kommen, oder wenn alle Minderheiten sich zusammenschließen und einen Kandidaten wählen. Entschieden sei aber noch nichts. „Ich bin gespannt, in wie weit das neue Rechtsmaterial anders ist, als alte Minderheitengesetz. Wie die parlamentarische Vertretung gelöst wird, weil es auf diesem Gebiet große Spannungen und Diskussionen gibt.“ – sagte zum Thema Jurist, Balázs Vizi, der über die Möglichkeiten der politischen Vertretung der Minderheiten einen Vortrag hielt.

Auch in diesem Thema sei das Minderheitenforschungsinstitut bereit Hilfe der Regierung zu geben. „Unsere Forschungsergebnisse kann die Politik und die Gesetzgeber nutzen. Ob sie das auch tun, ist eine andere Frage. Aber ich muss sagen, dass sie oft Informationen von uns wünschen. Unser Ziel ist aktuelle Fragen in ihrer Komplexität zu behandeln und so auch die Arbeit in der Politik und Gesetzgebung zu unterstützen.“ - erklärte Direktorin, Tóth.

Auch über die Ungarndeutschen gab es Vorträge. Historiker Franz Eiler sprach über die Tätigkeit und Rolle des Volksbundes in der ungarndeutschen Ortschaft, Harta.  Über den Volksbund hat er gesprochen. Réka Marchut beschäftigte sich mit der Frage der Loyalität der Ungarndeutschen zu ihrer Heimat vor und nach dem zweiten Weltkrieg.



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 Christian Erdei, Budapest, 24.05.2011
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