Funkhaus Fünfkirchen

Volkszählung in Ungarn: Viele Notare wollen keine Minderheitenagehörige als Zähler



Im Oktober ist die Volkszählung in Ungarn. Einen wichtigen Teil des Fragebogens bilden die Fragen über die Nationalitätenzugehörigkeit und der Muttersprache. Auf diesem Gebiet gibt es wichtige Veränderungen im Gegensatz zu der Volkszählung vor 10 Jahren. Die Vorbereitungen laufen übrigens auf Hochtouren, die Zähler werden nun bis zum 7. Juli von den Notaren ausgewählt. Und genau hier gibt es Probleme.

Wohnort, Schulabschluss, Beruf, Zahl der Kinder, die Wohnung – solche sind die sgn. obligatorischen Fragen bei der Volkszählung. Wie vor 10 Jahren, gibt es auch heuer fakultative Fragen über die Religion, Nationalitätenzugehörigkeit, Muttersprache und Krankheiten. „Wie bei jeder Erhebung ist unser Ziel mit der Volkszählung, dass wir ein Bild von der Gesellschaft kriegen, das am nahesten zu der Realität steht. Wir sind eine ethnisch bunte Gesellschaft. Wenn diese Farbe der Gesellschaft nicht erscheint, dann haben wir kein authentisches Bild.“ – sagte Zsolt Németh, stellvertretende Vorsitzende in der Abteilung für Gesellschaftsstatistik im Ungarischen Statistischen Amt.

Die Volkszählung sei auch für die Minderheiten sehr wichtig – so Otto Heinek, Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Die Deutschen haben sogar eine Kampagne gestartet, damit sich viele Menschen zum Ungarndeutschtum bekennen und zu ihrer Muttersprache stehen. „Die Volkszählung ist wichtig für die Zukunft der gesamten Volksgruppe, für die Zukunft unserer Institutionen, für die Zukunft der Vereine und Selbstverwaltungen. Wie man das auch aus Regierungskreisen hört, werden die Ergebnisse der Volkszählung in den folgenden 10 Jahren vieles bestimmen. Die Förderungspolitik, die Förderungsprogramme, so auch die Unterstützung der Minderheitenselbstverwaltungen, das Schul- und Erziehungswesen. Es liegt also in unserem elementarsten Interesse, dass wir hier gut abschneiden.“ – so Heinek.

 „Zu welchen kulturellen Werten einer Nationalität fühlen sie sich verbunden?“ - Eine Frage, die es vor 10 Jahren gab, jetzt wird sie aber nicht gestellt. Die Minderheiten wollten diese Frage, das Statistische Amt empfand sie aber nicht relevant – so Zsolt Németh. „Diese Frage hat ihre Funktion nicht erfüllt, wir haben deswegen lieber zwei Fragen über die Identität formuliert.“

Das Amt hat übrigens schon den Fragebogen vollendet und die Bezirke der Erhebung festgelegt. Nun werden bis zum 7. Juli die Zähler ausgewählt. Die LdU bat ihre Mitglieder, sowie die Mitglieder der Minderheitenselbstverwaltungen und Vereine sich für Zähler zu melden. „Die Fragen sind sensible Fragen, man öffnet sich leichter jemanden, dem man kennt, dem man vertraut.“ – fügte der LdU-Chef hinzu. Doch die Zähler müssen die örtlichen Notare auswählen und genau das ist der Clou an der Sache. In vielen Ortschaften wollen die Notare nicht die Minderheitenabgeordnete als Zähler haben, so auch in Schomberg – sagt Frau Katharina Berek, die Vorsitzende der deutschen Selbstverwaltung. In der branauer Ortschaft wollten alle Mitglieder der Minderheitenselbstverwaltung sich anmelden, doch der Notar wolle, dass die Mitarbeiter der Gemeinde, der großen Selbstverwaltung bei der Volkszählung mitwirken. Diesbezüglich bat die LdU das statistische Amt Druck auf die Notare auszuüben, denn selbst in den Empfehlungen des Amtes steht, dass in den von Nationalitäten bewohnten Ortschaften die Zähler möglichst die Mitglieder der Volksgruppe sein sollten. Das Statistische Amt unterstützt dabei die Minderheiten, wenn dies zur besseren Datenerhebung führe – sagt Zsolt Németh. „Ich bin mir sicher, dass wir mit den Notaren und Minderheitenvertreter eine Einigung erzielen können. Klar in der heutigen finanziellen Situation des Landes brauchen viele Menschen das Geld, den Honorar, was sie als Zähler erhalten.“

All das kann man allerdings vorbeugen, denn in diesem Jahr kann man den Fragenbogen auch im Internet ausfüllen.


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 Christian Erdei, Fünfkirchen, 27.06.2011
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