Banater Zeitung

Die Banater Gastronomie Meisterschaft 2011

Ganz der Küchenchef, würde jeder fest behaupten, der sich mit Radu Zãrnescu einmal unterhalten hat. Seine Aufmachung bei der Banater Gastronomiemeisterschaft wäre wohl ein Zeichen dafür gewesen, aber auch Zãrnescus Kenntnisse über traditionelle Gerichte und aktuelle Kochtrends, hätten darauf schließen können, dass er in Bukarest die Pfanne schwingt und nicht den Kugelschreiber.


Der Mitveranstalter des Vergleichs um den Banater Gastronomie-Cup hat sich aber selbst als Manager dargestellt. Für ihn geht es in erster Linie um Kultur. Kochen tut der Klausenburger nur in seiner Freizeit.  Als Projektleiter des Kulturvereins Euro Est Alternative (ACEEA) scheint Zãrnescu aus seiner Freizeitbeschäftigung längst einen Beruf gemacht zu haben. Und einen erfolgreichen noch dazu, wenn man sich seine jüngsten Projekte anschaut. Die Gründung eines Vereins für professionelle Gastronomen aus Rumänien im Jahr 2010 ist nur ein Beispiel, wie Zãrnescu und der Verein ACEEA versuchen, die rumänische Gastronomie und Kochkunst zu fördern. Auch wenn der Weg zum Erfolg lang und steinig ist: Der in Temeswar/Timisoara gegründete Tochterverein des ACEEA zählt bis heute nur 40 Mitglieder. Zãrnescu hofft auf mehr.  Die Gastronomie-Cup-Wettbewerbe, die in den fünf wichtigsten Regionen Rumäniens veranstaltet werden, sollen für neue Anwärter sorgen. Der sogenannte „Banat Cup“ wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal veranstaltet und gehört damit zu den jüngeren Meisterschaften. Im Herbst soll bereits die nächste folgen. Die Meisterschaft in Siebenbürgen um den Gastronomie-Cup soll wie jedes Jahr in Klausenburg stattfinden. Mit den Veranstaltungen möchte man auch immer einen neuen Weltrekord aufstellen. Für das Banater haben sich die Organisatoren ein traditionelles Gericht ausgesucht: Schweinshaxe mit Sauerkraut und Bohnen. In einer 16 Quadratmeter großen Pfanne wurden 200 Kilogramm Schweinshaxe mit 150 Kilogramm Bohnen gekocht. Auf das köstliche Essen durften sich auch die Besucher freuen, die danach kostenlose Kostproben erhielten.

Meeresfrüchte aus der Bega

Um ästhetische Fragen sorgten sich nur die Küchenmeister, die an der Meisterschaft teilnahmen. Darunter auch Pavel Kiss, der im Vorfeld vor dem Essen warnte. Damit das Essen für die Jury auch optisch gut aussieht, wird das Essen entsprechend präpariert. Für Kiss war auch die Auswahl der Gerichte wichtig. Er wählte besonders lokale Rezepte aus. Auf traditionelle Küche setzten wenige Teilnehmer. Besonders beliebt bei den Köchen waren Gerichte mit Meeresfrüchten. „Kann man aus der Bega etwa Meeresfrüchte fischen,“ meinte Pavel Kiss kritisch über seine Konkurrenten. Seiner Meinung würde sich auch der Italiener Antonio Passarelli anschließen, sagt Kiss. Immerhin ein Starkoch, der schon für Präsidenten und Prominente gekocht hat. Passarelli moderierte die Veranstaltung und stellte eine Live-Kochshow für die Besucher zusammen. Kiss kann sich dieser Ehre nicht rühmen, aber er kennt die Banater Küche nur zu gut. Ob schwäbische, ungarische oder serbische Küche, der waschechte Banater weiß, was im Banat gerne gegessen wird. Für Zãrnescu halb so tragisch. „Jeder pocht ständig darauf, wie wichtig lokale Gerichte oder Nationalgerichte sind, wobei man sich aber fragen müsste, was überhaupt typisch für das betreffende Land ist.“  Nicht einmal das berühmte Gulasch, das oft als ungarisches Nationalgericht gepriesen wird, wurde von den Ungarn erfunden. Eigentlich stamme es von den Osmanen, so Zarnescu. Nicht umsonst gilt die Türkei als eines der vier führenden Länder, wenn es um die Anzahl an Rezepten geht. „ Das Osmanische Reich musste Heere versorgen und am kostengünstigsten waren natürlich Suppen und Brühen, die man für viele schnell, leicht und billig kochen konnte,” erklärt Zãrnescu. Gulasch sei dabei die Feiertagsbrühe gewesen, die reichhaltiger an Zutaten war. So sollten Soldaten belohnt werden, nachdem eine Schlacht siegreich bestanden war.

Der Geschmack von Frieden

 Die Teilnehmer überraschten die Jury mit kreativen Variationen klassischer Gerichte. Auf Kreativität kommt es besonders an, findet auch Tibor  Kiss-Budai. Für das Jurymitglied liegt eigentlich darin die Herausforderung. Wer sich bemüht hat, das Publikum und die Jury zu überraschen, der wurde auch entsprechend belohnt. Überhaupt findet der Klausenburger, dass der Koch das Gericht ausmacht und nicht das Gericht den Koch. „Ich habe keine Probleme damit, meine Rezepte mit anderen zu teilen,“ behauptet Kiss-Budai. „Ich habe mit Kollegen gesprochen, die sich immer davor hüten, ihre Rezepte zu verraten. Doch ich glaube kaum, dass es nur auf das Rezept ankommt. Es kommt auf die Qualität der Zutaten an und auf den eigenen Geschmack. Im Endeffekt ist Kochen das, was der Koch mit seinen eigenen Händen und seinem Geschmackssinn daraus machen kann. Ich kann ein Rezept rausgeben, aber das bedeutet nicht, das jemand das gleiche Essen auf den Tisch zaubern wird, wie ich.“
Neben lokalen Vertretern nahmen an dem Wettbewerb auch Köche aus dem Ausland teil. Darunter auch eine Delegation aus Nahost. Am gleichen Herd und für eine gemeinsame Sache kochten Isrealis, Palästinenser, Jordanier. Zusammengeführt wurden sie durch die Initiative „A Taste of Peace“. Mit dem Projekt wollen Köche für Frieden im nahen Osten werben.
Shibitt Rhandonia  arbeitet im Westjordanland als Koch für die Kinderhilfe Bethlehem. Die Kinderhilfe unterstützt Kinder, Frauen und Familien in Palästina und den umliegenden Ländern. Rhandonia hat jahrelang in Vier-Sterne-Hotels gearbeitet, bevor er sich für eine Anstellung im Caritas-Krankenhaus entschieden hat. „ Die Arbeit ist sehr unterschiedlich, aber ich mache es für meine Familie,“ meinte der Koch, der zum ersten Mal Rumänien besuchte. Schon mit zwölf hat Rhandonia angefangen zu kochen. Er besuchte in Bethlehem die Schule und machte seinen Diplomabschluss in Europa. Für den Wettbewerb bereitete er traditionelle Gerichte vor: als Hauptspeise Taboulé mit Kuskus und Gemüse. Dazu servierte er ein Dessert aus Äpfeln mit Muhalabiyeh, ein Reispudding, der mit  Pistazien garniert wird.

Eine Prise Zukunft

Nicht nur professionelle Köche nahmen an der Meisterschaft teil. Auch der Nachwuchs war vertreten. Das Francesco-Saverio-Nitti-Kolleg aus Temeswar nahm bereits zum zweiten Mal an dem Banat-Gastronomie-Cup teil.
„Alle haben positiv auf unsere Teilnahme reagiert. Und wenige haben es ausgelassen uns für die Schüler zu gratulieren,“ meinte die Ausbilderin Magdolna Takacs. Auch Minuþa Bold schließt sich ihrer Kollegin an. Wichtig sei das Interesse der Schüler, die sich trotz des Lampenfiebers, wie echte Profis verhalten haben. Auch das Essen konnte sich zeigen lassen: Als Vorspeise bereiteten sie eine Dobo{-Torte aus Schinken und Käse, gefüllte Tomaten mit einer Käse Creme zu. Als Hauptgang servierten sie Lachs mit Reis Pilaw und einer griechischen Soße als Beilage. Zum Dessert gab es einen Karamellmousse.
Die Jury zeigte sich zufrieden. Und mit  Gissur Gudmundsson als Mitglied hatten die Jurywertungen Gewicht. Der Präsident des Weltbundes der Kochverbände besuchte zum ersten Mal Rumänien. „Wir haben ihn schon drei Mal eingeladen, er musste uns aber ständig absagen. Er ist halt ein vielbeschäftigter Mensch, aber zumindest konnten wir ihn für diese Meisterschaft gewinnen,“ meinte Zãrnescu.
Der Isländer durfte auch den neuen Weltrekord verkünden. Gudmundssons Teilnahme ist für Zãrnescu und den Euro Est Alternativ-Verein ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Noch hinkt Rumänien hinterher. Der Weltbund ist in Ländern wie Deutschland eine Instanz. Dort ist es für einen Chefkoch Pflicht, Mitglied im Weltbund zu sein. Mit über zehn Millionen Mitgliedern weltweit zählt der WACS zu den größten Kochverbänden der Welt. Rumäniens Antwort auf den Weltbund, der Kulturverein Euro Est Alternativ kämpft dagegen noch mit niedrigen Mitgliederzahlen.
Auf das richtige Rezept kommt es wahrscheinlich an. Mit nationaler Küche hat das heute nur noch wenig zu tun, das hat auch Radu Zãrnescu verstanden. Da ist es auch verzeihlich, dass es keine Meeresfrüchte in der Bega gibt.
 Robert Tari, Temeswar, 07.07.2011
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