Banater Zeitung

Im Stich gelassen

So fühlen sich fast 60 Prozent der Rumäniendeutschen (laut Volkszählung 2002), also die Banater- und Sathmarschwaben sowie die Berglanddeutschen nachdem die Entscheidung des Auswärtigen Amtes  offiziell wurde, nämlich das Deutsche Konsulat in Temeswar/Timisoara zu schließen. Wir wussten, dass die Sparmaßnahmen auch den Haushalt des Auswärtigen Amtes treffen werden und dass dort die Tendenz besteht, Vertretungen innerhalb der Europäischen Union zu schließen. Lesen Sie weiter unter "+".

Dementsprechend haben wir versucht vorzubeugen, indem der Landesvorsitzende, Klaus Johannis, und ich einen Brief an wichtige deutsche Politiker gerichtet und sie gebeten haben, dem Auswärtigen Amt unseren Standpunkt zu erklären und zu vertreten. Teilweise waren wir erfolgreich, Generalkonsulat Hermannstadt bleibt unversehrt, teilweise nicht, Temeswar soll geschlossen werden, wobei ein Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland ernannt werden soll.

In den letzten 20 Jahren wurden wir des öfteren mit Entscheidungen konfrontiert, die in Bukarest getroffen wurden und für uns schlecht waren. Offensichtlich werden solche neulich auch in Berlin getroffen. Nachdem die Lehrerstellen in den Spezialabteilungen gestrichen wurden, kam jetzt die Schließung des Temeswarer Konsulats.

Die Entscheidung ist meines Erachtens von irgendwelchen Bürokraten getroffen worden, die weder Politik noch strategische Überlegungen verstehen. Diese buchhalterische Angehensweise wird sich sehr schnell als falsch erweisen. Nicht nur die deutsche Minderheit wird darunter leiden, sondern vor allem die deutschen Staatsbürger, die in Westrumänien leben oder arbeitstätig sind, wie auch selbstverständlich die deutsche Wirtschaft, die hier massiv investiert hat (in Temeswar, Arad, Sathmar/Satu Mare, Großwardein/Oradea, Lugosch/Lugoj usw.) In jeder Angelegenheit werden diese Menschen 600-800 kmbis nach Bukarest reisen müssen, um diese in der „unterbelasteten Botschaft“ zu erledigen. Noch mehr, das Personal der Botschaft, das „offensichtlich unterbeschäftigt“ ist, wird jede Woche Termine in Westrumänien wahrnehmen wollen, um die Bundesrepublik Deutschland würdig zu vertreten. Natürlich alles „kostenlos“.

Da diese Perspektive sicherlich nur ironischerweise von mir dargestellt wird und nie realistisch sein kann, kommen wir zur Schlussfolgerung, dass dadurch diese Region aufgegeben wird. Somit haben wir das zweite Merkmal dieser Entscheidung definiert: diskriminatorisch! Der Vergleich zu Polen (insgesamt vier Konsulate), wo keine Vertretung geschlossen wird, trotz der Tatsache, dass dieses Land drei Jahre früher als Rumänien der Europäischen Union beigetreten ist, erklärt alles. Es geschieht zum zweiten Mal in den letzten 20 Jahren, dass wir gegenüber anderen deutschen Minderheiten im Osten Europas diskriminiert werden. Das Gleiche passierte Anfang der 90-er Jahre als man damals nur einigen aus der deutschen Gemeinschaft im Osten Europas die deutsche Staatsbürgerschaft angeboten hatte und uns nicht. Wie sollen wir unter diesen Umständen diese Fehlentscheidung interpretieren, geschweige denn akzeptieren?

Es wird uns eine peinliche Ersatzlösung angeboten, nämlich ein sogenannter Honorarkonsul. Nein, danke! Wir möchten nicht, dass Deutschland in Zukunft gleichermaßen wie Tunesien, Indien oder Moldawien in Temeswar vertreten wird. Der potentielle Honorarkonsul wird sich mit dem Titel schmücken, seine eigenen Interessen (wirtschaftlich?) verfolgen und für die Minderheit völlig irrelevant sein. Anstatt mit so einer Ersatzfigur würden wir lieber die lange Reise nach Bukarest auf uns nehmen und direkt mit Botschafter und Co. sprechen wollen. Nur nebenbei erwähnt, Serbien behält das Generalkonsulat in Temeswar, um seine Minderheit nicht aufzugeben. Italien unterhält weiterhin ein Generalkonsulat, um seine wirtschaftlichen Interessen effizient zu vertreten. Ich nehme an, dass in diesem Vergleich Deutschland haushaltsmäßig viel besser steht.

Durch diese Zeilen möchte ich als Abgeordneter ALLER RUMÄNIENDEUTSCHEN energisch gegen diese Entscheidung protestieren und apelliere öffentlich an den Herrn Bundesaußenminister, Dr. Guido Westerwelle, sie zurück zu nehmen zu Gunsten der deutschen Minderheit in Westrumänien, der deutschen Wirtschaft, die hier massiv investiert hat wie auch im Allgemeinen der bilateralen deutsch-rumänischen Beziehungen. Bei seinem Besuch in Rumänien im letzten Jahr versprach er uns Unterstützung seitens der Bundesregierung wie auch seinerseits. Wir erwarten nun die Bestätigung dieser Aussage!

 Ovidiu Gant, DFDR-Abgeordneter, Temeswar, 14.07.2011
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