Banater Zeitung

Das Fischermann’s Orchestra auf Rumänien-Tour

16 junge, talentierte Musiker hat es auf der Flucht vor dem alltäglichen Trott einer kapitalistischen Hochburg in ein Land verschlagen, wo die Dinge scheinbar noch in Ordnung sind. So zumindest begründet das Fischermann’s Orchestra seinen Aufbruch nach Rumänien. Weil der Kapitalismus hier noch nicht so kapitalistisch ist, haben sich die Künstler für eine Tournee durch das Schwellenland entschieden.

Wohin die Reise geht, wissen die Künstler ganz genau, wenn auch der Name ihrer Tournee es nicht vermuten lässt. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Destination Unknown-Tour eine klare Destination hat, nämlich das Schwarze Meer. Aber bekanntlich geht es ja um die Reise dorthin und nicht um das Ziel und die Reise führt die Schweizer auf Umwege durch unbekannte Orte.
Nach erfolgreichen Auftritten in München, Wien und Budapest spielten das Fischermann’s Orchestra am vergangenen Mittwoch und Donnerstag in Temeswar/Timi{oara. Bei den talentierten Herren und der talentierten Dame handelt es sich nicht um ein konventionelles Orchester, das man in der Banater Philharmonie antreffen würde. Kein Alder oder Ammann wird hier geboten, sondern Z'Rotz, Rozo, Maier und Bosshard. Die Musiker komponieren ihre Lieder selbst und lassen unterschiedliche Strömungen einfließen. Darum wird es schwierig, ihre Musik in eine spezifische Genreschublade zu stecken. So bunt wie das zusammengewürfelte Orchester ist auch die Musik, die es spielt. 
Vor drei Jahren gründeten Thomas Reist und Philipp Z'Rotz das Fischermann’s Orchestra.  Damals bestand die Gruppe aus bescheidenen sechs Mitgliedern, die aber nur schwer zusammenfanden. Laut Z’Rotz herrscht in dem Fischermann’s Orchestra ein ständiges Kommen und Gehen. „Wer Bock hat und sich im Konzept als Musiker wiederfindet, bleibt, wem das Ganze zu viel wird und es auch nicht so sein Ding ist, der geht,“ erklärt der Musiker. Bisher hat es immer geklappt, meint Reist und die Tatsache, dass es heute fast dreimal mehr Mitglieder gibt, bestätigt es. Dabei müssen die meisten auf Gagen verzichten. Nur das Nötigste kann das Fischermann’s Orchestra seinen Mitgliedern bieten. Nicht umsonst behauptet da Lino Blöchlinger, dass bei der Gruppe die Musik im Mittelpunkt steht.
Davon konnten sich auch Temeswarer bei den Konzerten vergangene Woche überzeugen lassen. Das Fischermann’s Orchestra legte auf dem D’Arc Boot auf der Bega an Land und eroberte gleich am nächsten Tag vorbeigehende Passanten am Domplatz im Sturm. Möglich machte es der junge Musikliebhaber Dan Olar und die Rubin-Stiftung. Olar lernte die Gruppe über Couchsurfing kennen. Er brachte die Gruppe und die Rubin-Stiftung zusammen und bot den Bandmitgliedern auch einen Platz zum übernachten an.
Besonders das Bootskonzert auf der Bega am vergangenen Mittwoch heizte das Publikum ein. Ein aktives Publikum ist dem unkonventionellen Orchester immer recht. Dass die Leute dabei sind und die Musik leben, ist der Gruppe wichtig. Darum spielen sie auch oft auf Straßen und versuchen, sich so oft es geht von der Bühne zu lösen. Darin lag auch das Geheimnis ihres Erfolgs in Temeswar und darum scheint ihre Musik in der Schweiz unterzugehen.

 Robert Tari, Temeswar, 28.07.2011
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