Banater Zeitung

Frische Eier aus dem Banat

Es ist für die Familie Cîrpanu inzwischen ein Traditionsgeschäft. Florentin Cîrpanu  leitete  28 Jahre lang die größte Schweinezüchterei Südosteuropas Comtim.  Rumänien und das Banat wurden fast drei Jahrzehnte lang von Comtim mit Fleisch versorgt. Jedoch konnte sich das Unternehmen, nachdem Cîrpanu  zurücktrat, nicht mehr halten. 1995 entschied sich der Geschäftsmann eigenständig zu werden und gründete im Kreis Cara{-Severin das Unternehmen Agro Banat, das sich auf die Herstellung von Getreide spezialisiert hat.


Die Agro Banat Läden die es in vielen Ortschaften aus den Kreisen Timis und Caras-Severin gibt, bieten diverse Getreideprodukte an. Bis 2008 leitete Florentin Cîrpanu  das Unternehmen und ging dann schließlich nach 41 Jahren im Landwirtschaftsgeschäft in den Ruhestand. Die Firma übergab er in die Hände seines Sohnes Valeriu Cîrpanu . Auch sein Enkelsohn [tefan  Cîrpanu  soll in die Fußstapfen seines Großvaters treten. Als Feuerprobe erhielt er 2008 die Verantwortung für den Hühnerbetrieb Avia Agro Banat. Der junge Manager muss sich vielen Herausforderungen stellen. Die Landwirtschaft in Rumänien soll sich den europäischen Standards anpassen. Das gilt auch für die Hühnerfarm außerhalb der Kleinstadt Bokschan/Bocsa im Kreis Caras-Severin, die in den 1970er Jahren erbaut wurde. Die Famile Cîrpanu  kaufte die Farm 1999 auf. Neun Jahre später sah sich Stefan Cîrpanu  vor der Verantwortung gestellt aus der alten Hühnerfarm einen modernen Betrieb zu machen, der auch Profit schlägt. Eine große Herausforderung für den frischen Imperial-Absolventen dem die Erfahrung fehlte. 

Schritte in eine europäische Zukunft

Besonders ökologische Probleme mussten 2008 als erstes behoben werden. Die Farm betreibt seit fast 40 Jahren Käfighaltung und besaß zwölf große Hallen, die nach EU-Richtlinien modernisiert werden mussten. In 2008 wurden zwei der Hallen zusammengeführt und erneuert. Beauftrag wurde das deutsche Unternehmen Big Dutchman, das sich seit 2009 nicht mehr mit Käfighaltungssystemen beschäftigt, seitdem diese Form der Haltung in Deutschland verboten wurde. Deutschland stellt innerhalb der Europäischen Union eine Ausnahme dar, in den meisten anderen Ländern ist die Käfighaltung von Legehennen nicht verboten. Dafür müssen aber strikte Regeln beachtet werden. Ab 2012 sind in der Europäischen Union nur noch ausgestaltete Käfige erlaubt, die ein höheres Platzangebot sowie Scharrbereich, Sitzstangen und Nester bieten. Ausgestaltete Käfige bieten 750 Quadratzentimeter Fläche pro Tier sowie Sitzstangen und Nester. Für [tefan Cîrpanu hatte die Erfüllung dieser Kriterien Vorrang. 
Eines der größeren Probleme der Farm stellte allerdings die Entsorgung des Hühnerkots dar. Seit den 1970er Jahren bis 2008 haben sich auf dem Gelände der Farm über 100 000 Tonen Hühnerdejekt angesammelt. Der Erwerb eines neuen Entsorgungssystems gehörte zu den ersten Akquisitionen des Kleinbetriebs. Eine Notwendigkeit bei 3 Tonen Kot, die am Tag produziert werden. Besonders wichtig ist eine moderne Trockenanlage. Feuchter Kot gilt als Schädlich für den Boden, durch das Trocknen des Dejektes, kann es als Düngemittel wiederverwendet werden. Für die Zukunft möchte Cîrpanu  in eine Maschine investieren, die den Kot zu Pellets verarbeitet, die wiederum zur Energiegewinnung verwendet werden können. 
2010 investierte das Kleinunternehmen weiter in die Modernisierung der Hallen und beauftragte die italienische Firma Facco mit der Erneuerung der Legebatterien. Die Hälfte der Modernisierungsmaßnahmen wurden mit EU-Geldern finanziert. Durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums erhielt Avia Agro Banat rund die Hälfte der benötigten Gelder. In den letzten drei Jahren wurden insgesamt vier Millionen Euro in die Modernisierung der alten Farm investiert. 
Zur Zeit werden 155 000 Eier pro Tag gelegt. Diese werden mithilfe einer Sortierungsmaschine und einem sogenannten Candling Booth kategorisiert. Ein Candling Booth ist eine Vorrichtung womit Eier durchleuchtet werden, um Risse in der Schalle festzustellen oder ob im Ei Spuren von Blut feststellbar sind. Je nach Qualität werden die Eier entweder im Lebensmitteleinzelhandel oder in der Gastronomie bzw. im Großhandel verkauft. Eier für den Großhandel werden oft durch ein Verfahren zu Pulver verarbeitet oder sie werden pasteurisiert.

Mit pasteurisierten Eiern innovativ sein

Mit pasteurisierten Eiern plant Cîrpanu  sich von der Konkurrenz hervorzuheben. Der Unternehmer hat in eine Pasteurisierungsanlage investiert und sucht inzwischen nach Kunden für dieses Produkt. Beim Pasteurisieren wird der Ei-Inhalt bestehend aus Eiweiß und Eigelb getrennt und bei einer Temperatur von 50 bis 60 Grad Celsius aufgekocht. Schließlich wird das Endprodukt in Plastikbeuteln luftdicht verpackt. Die Endprodukte können entweder nur aus Eiweiß, nur aus Eigelb oder aus einer Mischung, die sich Melange nennt, bestehen.  Der Vorteil pasteurisierter Eier liegt darin, dass sie länger haltbar sind und durch das Aufkochen werden Influenza A-Viren getötet. Im Ausland finden pasteurisierte Eier besonders in der Gastronomie Verwendung. In Rumänien sind pasteurisierte Eier noch ein Novum. Darum tut sich auch [tefan  Cîrpanu  damit schwer Kunden anzulocken. Inzwischen hat Avia Agro Banat mit dem Großhandelsunternehmen Metro einen Lieferungsvertrag abgeschlossen. Das Kleinunternehmen ist auch der erste lizenzierte Hersteller von pasteurisierten Eiern in Rumänien. 
Um auf dem nationalen und internationalen Markt bestehen zu können, muss man innovativ sein. Neben pasteurisierten Eiern möchte Avia Agro Banat auch Automaten in Temeswar einführen, die jeden Tag frische Eier anbieten. Das Motto lautet: „Frische Eier aus dem Banat“. Damit will das Unternehmen auch die Bedeutung eines lokalen Eizulieferers unterstreichen, der die Region versorgt. Denn nur zu oft muss ein lokales Unternehmen wie Avia Agro Banat mit ausländischen Betrieben konkurrieren, deren Eierpreise fast gleich oder gering teuerer ausfallen. Das hat Avia Agro Banat dazu gezwungen ebenfalls im Ausland zu exportieren. In Deutschland, Österreich, Polen, Italien und Griechenland stehen bereits Avia Produkte in den Supermärkten. Besonders die niedrigen Preise locken den Kunden im Westen an, wo immer weniger Hersteller auf Käfighaltung setzten und zur Boden- oder Freilandhaltung gewechselt sind. Diese Systeme der Legehennenhaltung bedeuten mehr Kosten für das Geschäft und dementsprechend auch teurere Preise.

Ein Geschäft auf Tradition aufgebaut

„Es ist ein Familiengeschäft,“ erklärte [tefan  Cîrpanu  bei einem Rundgang durch die Hallen. Eine Feuerprobe für den jungen Manager, der die Tradition seiner Familie weiterführt. Das [tefan  Cîrpanu  im Ausland studiert hat und noch dazu an der prestigeträchtigen britischen Universität Imperial College London, zeigt sich in seiner Weltoffenheit und seinem Gespür für internationale Trends. Avia Agro Banat ist der einzige rumänische Eierhersteller der Mitglied in der Internationalen Eierkommission (IEC) ist. Es wird auf Innovation gepocht. Das Rezept um erfolgreich zu sein und sich von der Masse abzuheben. Denn der Markt ist überfüllt und dementsprechend hart. Landwirtschaft ist nicht das einzige Geschäft, das die Familie Cîrpanu  betreibt. Doch damit wurde der Grundstein gelegt für ein bescheidenes, Banater Familienimperium.
 Robert Tari, Temeswar, 28.07.2011
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