Radio Temeswar

Wirtschaftsmeldungen der Woche – 19.07.2012

In den Wirtschaftsmeldungen dieser Woche gibt es Informationen zu:
- Statistiken und Bankwesen,
- Wirtschaftsmaßnahmen und Regierungsvorhaben 
- sowie aus der regionalen Wirtschaft.
Lesen und hören sie hier mehr!

Sie hören das Wirtschaftsmagazin bei Radio Temeswar – jetzt mit den Wirtschaftsmeldungen der Woche:

Allem voran Informationen aus der Tätigkeit der deutschen Wirtschaftsvereine in West-Rumänien:

Die Mitglieder des deutsch-rumänischen Wirtschaftsclubs Arad kommen am heutigen Donnerstag zum Monatstreffen zusammen. Auf der Tagesordnung steht die Vorbereitung der kommenden Vereinswahlen im Herbst. Das informelle Treffen startet um 18Uhr30 beim Ratio Beach auf dem Neptun-Strand am Marosch Ufer.

Der deutschsprachige Wirtschaftsclub Banat veranstaltete bereits am vergangenen Donnerstag sein Julitreffen. Der Treffpunkt der Wirtschaftsleute war die Jecza Gallerie in Temeswar. Das Thema des Monatstreffens hieß „Temeswar Kulturhauptstadt 2020“. 

Aus der regionalen Wirtschaft:

Die Dürre dieser Jahreszeit führt zu einer geringeren Energieproduktion der Wasserkraftwerke. Daher wurde die Energieproduktion der Thermozentrale Mintia Diemrich verdoppelt. Zur Zeit sind zwei energieerzeugende Gruppen im Einsatz, die zusammen 374 MegaWatt produziert haben. Wenn die Landeszentrale für Energie es beantragt, können weitere zwei Gruppen eingesetzt werden – erklärte der Direktor der Zentrale bei Diemrich. Die Einrichtung funktioniert mit Kohle aus dem Schiltal.

130 Kilometer Fahrradwege sollen in der Stadt Arad gebaut werden. Die Stadträte haben ein diesbezügliches Projekt genehmigt. Die Pisten werden auf beiden Seiten der Hauptstraßen auf einer Gesamtstrecke von 65 Kilometern gebaut. Die Bauarbeiten sollen im kommenden Jahr starten und 30 Monate dauern. Die Kosten belaufen sich auf 17 Millionen Lei.

Die Schiffe an der Bega könnten im nächsten Jahr duch Temeswar fahren. Die Umsetzung des Projekts sei im vollen Gange, erklärte der Vorsitzende des Temescher Kreisrates Titu Bojin. Vorerst aber müssen die Arbeiten an den Schleusen in Sanktmichael sowie an den Kanalufern beendet werden. Erst danach werde die Stadtverwaltung die Schiffe abkaufen.

Die neue Temescher Kreisleitung übernimmt die Idee der Umgehungsstraße der Stadt Temeswar. Das sei eine der Prioritäten, erklärte Kreisratsvorsitzender Bojin. Zur Zeit verfügt Temeswar über nur ein Viertel der Umgehungsstraße, die die Verbindung zwischen der Arader und der Lugoscher Straße sichert. Diese soll nun ausgedehnt werden und im Süden der Stadt die Verbindung zur Schager-Straße sowie zu den Straßen Richtung Großsanktnikolaus und Hatzfeld sichern.

Die Umgehungsstraße bei Karansebesch soll bis Ende dieses Monats für den Verkehr frei gegeben werden. Dann nämlich läuft der Termin ab, der mit der  Nationalgesellschaft für Landstraßen und Autobahnen vereinbahrt wurde. Die Arbeiten hätte man bereits Ende Mai beenden sollen, das Bauunternehmen habe aber eine Terminüberschreitung um zwei Monate beantragt – so der Landstraßenverwalter. Die Umgehungsstraße der Stadt Karansebesch misst 12 Kilometer.

Wirtschaftsmaßnahmen und Regierungsvorhaben: 

Die Regierung schlägt konkrete Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft vor. Fünf solche Maßnahmen wurden entworfen und sollen mit der gemeinsamen Delegation des IWFs, der Europäischen Kommission und der Weltbank diskutiert werden. Darüber informiert Radio Rumänien International. 
Die Regierung unter Ministerpräsident Victor Ponta schlägt die Zahlung der Mehrwertsteuer bei der Begleichung der Rechnung vor. Diese ist nun bei der Ausstellung der Rechnung fällig. Das soll für Unternehmen mit einem Umsatz kleiner als 500.000 Euro gelten und es wird  vorausgesetzt, dass die Zahlung durch Banküberweisung erfolgt. Die Maßnahme werde die Tätigkeit von mehr als 90% der aktiven Unternehmen positiv beeinflußen, so die Begründung der Regierung. Am meisten werden die Kleinen und Mittelständischen Unternehmen gewinnen. Es ist eine Erleichterung, die der Staat allen KMUs anbietet, meint der Staatssekretär im Finanzministerium Liviu Voinea. Die Rückerstattung der Mehrwertsteuer kann zur Zeit ohne den Beweis der Zahlung der Rechnung durchgeführt werden. Die Zahlung der Mehrwertsteuer bei der Begleichung der Rechnung wird fiktive Rückerstattungen ausschalten denn man wird einen Zahlungsbeweis vorlegen müssen – so Voinea weiter. Durch diese Maßnahme würde zudem die Steuerhinterziehung begrenzt werden. Das stelle seit vielen Jahren ein großes Problem in Rumänien dar. 
Desweiteren sollen die Unternehmen, die Arbeitslose unter 25 Jahren und über 55 Jahren für mindestens zwei Jahre einstellen, die Beiträge zur Rentenkasse, Arbeitslosenkasse und Krankenkasse ein Jahr lang nicht zahlen müssen.
Eine weitere Maßnahme zielt auf die Steigerung der steuerlichen Absetzbarkeit für Ausgaben im Bereich der Forschung und Entwicklung von derzeit 20 auf künftig 50%. Ziel ist es dabei, die inovativen Investitionen zu stimulieren und Arbeitsplätze in den Industriebranchen mit großem Mehrwert zu schaffen. 
Die Regierung hat auch an die angeschlagenen Unternehmen gedacht, die dem Staat Geld schulden. In der Zeitspanne 1. September – 31. Dezember dieses Jahres können diese Unternehmen ihre Schulden ohne Zuschläge zahlen. 
Die fünfte Maßnahme der Regierung soll den Nichtregierungorganisationen, den Stiftungen und anderen Institutionen helfen, die keine Mehrwertsteuer zahlen. Eine bessere Regelung verspricht die Regierung im Bereich der Mehrwertsteuer, die in Rumänien nicht einkassiert, im Rahmen der europäischen Finanzierungsprojekte aber beantragt wird.

Die Überprüfungsmission des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU und der Weltbank hat ihre für den 24. Juli geplante Anreise in Bukarest um eine Woche vertagt. Sie werde erst nach dem Volksentscheid vom 29. Juli über die Absetzung des Präsidenten in Rumänien eintreffen, um ihre quartalsmäßige Evaluierung vorzunehmen. Dies teilte Regierungschef Victor Ponta am Montag mit. Der Premier versicherte, dass der Aufschub unter den gegebenen Umständen „normal“ sei – die internationale Überprüfungsmission wolle eben nicht in Wahlkampfzeiten eintreffen. 

Statistiken und Bankwesen:

Die rumänische Landeswährung erreichte in dieser Woche täglich einen neuen Tiefpunkt. Im Bezug zum Euro und dem US-Dollar verlor der rumänische Leu ständig an Wert. Grund dafür sei die politische Krise – meinen die Fachleute. Finanzminister Florin Georgescu geht davon aus, dass nach der Beruhigung der politischen Situation auch der Kurs wieder auf Werte unter 4,5 Lei sinken wird. Die rumänische Nationalbank gab am gestrigen Mittwoch-Nachmittag folgende Referenzkurse für heute bekannt: Ein Euro wurde mit 4 Lei 56 quotiert – das sind 4 Bani mehr als vor einer Woche – und ein US-Dollar mit 3 Lei 73, also 5 Bani mehr als vergangene Woche. Der Referenzkurs für einhundert ungarische Forint liegt bei 1 Lei 59 und für ein Hundert serbische Dinar bei 3 Lei 89. Ein Gramm Gold wird auf 189 Lei und 12 Bani geschätzt – um rund 2 Lei50 mehr als vor einer Woche.

Wachstum entstehe nicht durch Eilverordnungen. Was Rumänien brauche, seien neue Arbeitsplätze und Produktivitätssteigerung. Und dafür seien eben Investitionen nötig. Dies erklärte der Gouverneur der Nationalbank Rumäniens, Mugur Isãrescu, der Regierung am vergangenen Donnerstag und darüber berichtet die Allgemeinen Deutschen Zeitung in Rumänien ADZ. Angesichts der Tatsache, dass den rumänischen Verbrauchern keine Sparanreize geboten würden, sei die heimische Wirtschaft weiter von Auslandskapital und EU-Geldern abhängig, erläuterte Isãrescu. Dem Notenbankchef zufolge wird der laue Investitionsstand auch künftig „das Kernproblem“ der rumänischen Wirtschaft bleiben, Auslandsinvestoren seien zurzeit zurückhaltend bezüglich Rumänien. Konsum als Wachstumsmotor sei nicht zu empfehlen. Zwar könne er die Wirtschaft kurzfristig vor einem Schrumpfen bewahren, jedoch führe er gleichzeitig zu steigenden Importen und einem hohen Leistungsbilanzdefizit, da der Exportsektor wegen der Krise im Euro-Raum kaum die Rekordergebnisse von 2011 erreichen werde. Um Konsum zu stimulieren, müsse man erst über entsprechende Produktionskapazitäten verfügen, so Isãrescu weiter.

Die gesamte Außenverschuldung Rumäniens belief sich Ende Mai dieses Jahres auf rund 98,5 Milliarden Euro und war damit nur um 6 Millionen Euro höher als Ende Dezember 2011. Die mittel- und langfristige Außenverschuldung Rumäniens kam dabei auf 77,6 Milliarden Euro - rund 79 Prozent der gesamten Außenverschuldung. Das teilte die Nationalbank in Bukarest mit zitiert von der ADZ. Weiter zurückgegangen ist die kurzfristige Außenverschuldung: Sie betrug Ende Mai rund 20,8 Milliarden Euro. Der Anteil der kurzfristigen Verschuldung an der Gesamtverschuldung des Landes machte etwas mehr als ein Fünftel aus. Die Außenverschuldungsrate Rumäniens lag Ende Mai bei 25 Prozent, 2011 waren es 28 Prozent. 

Die Leistungsbilanz Rumäniens verzeichnete im Monat Mai dieses Jahres ein Defizit von 1,9 Milliarden Euro und war damit im Vergleich zu der im Vormonat April um 570 Millionen höher. Bereits im April hatte sich der Fehlbetrag in der Leistungsbilanz gegenüber Ende März mehr als verdoppelt. Im Vergleich jedoch zur selben Zeitspanne des Vorjahres ist dieser Fehlbetrag um ein Fünftel niedriger. Nach fünf Monaten 2011 betrug das Leistungsbilanzdefizit 2,4 Milliarden Euro. Das ist den jüngst veröffentlichten Daten der Nationalbank in Bukarest zu entnehmen zitiert von der ADZ. Als Grund für diese Entwicklung führte die Zentralbank hauptsächlich den höheren Übertragungsüberschuss an. Die ausländischen Direktinvestitionen deckten den Fehlbetrag in der Leistungsbilanz nur zu rund einem Viertel. Im vergangenen Gesamtjahr 2011 hat die Leistungsbilanz Rumäniens ein Defizit von rund 5,7 Milliarden Euro verzeichnet und war damit um 3 Prozent höher als 2010.

Die ausländischen Direktinvestitionen in Rumänien haben in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein Volumen von 465 Millionen Euro erreicht und waren damit etwa bei der Hälfte der Investitionen in derselben Zeitspanne des Vorjahres. Auch das teilte die Nationalbank in Bukarest mit zitiert von der ADZ. Nach vier Monaten 2012 waren es 446 Millionen Euro, also kamen im Mai nur 19 Millionen ausländische Direktinvestitionen hinzu. Die Darlehen der ausländischen Muttergesellschaften an die rumänischen Tochtergesellschaften oder Zweigstellen erreichten nach fünf Monaten dieses Jahres einen negativen Wert von minus 27 Millionen Euro. Nach 4 Monaten war ein plus von 33 Millionen Euro zu verzeichnen. Die verlustbereinigten Kapitalbeteiligungen beliefen sich auf 492 Millionen Euro, hieß es weiter. Bereits 2011 hatte Rumänien einen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen von rund 13 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro und damit das niedrigste Volumen der letzten neun Jahre verzeichnet.

Meine Damen und Herren, hiermit endet auch diese Ausgabe unseres Wirtschaftsmagazins. Mit aktuellen Wirtschaftsthemen erwarten wir Sie erst in zwei Wochen wieder hier. Am kommenden Donnerstag laden Sie die Radioredaktionen des deutschsprachigen Medienvereins FunkForum zu ihrer Gemeinschaftssendung Funkmagazin ein. Haben Sie bis dahin eine erfolgreiche Woche!

07.19. WM1  


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07.19. WM3  


 Adrian Ardelean, Temeswar, 19.07.2012
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