Radio Temeswar

Deutsch-Rumänische Stiftung schließt EU-Projekt ab

Die Deutsch-Rumänische Stiftung Temeswar hat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen Hornbach und der Industrie- und Handelskammer Ludwigshafen Weiterbildungen für junge Langzeitarbeitslose veranstaltet. Als Vorbild diente das deutsche Modell der dualen Ausbildung. Mitte September wurde das dreijährige abgeschlossen und den Teilnehmern in einer Festveranstaltung die Diplome vergeben. 


Foto: Zoltan Pazmany

Rumänien braucht ein duales Berufsausbildungssystem. Vieles würde dafür sprechen, meinen Vertreter der deutschen Wirtschaft, die sich seit einigen Jahren für eine Einführung aussprechen. Michael Böffel von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ludwigshafen führt Deutschlands niedrige Jugendarbeitslosigkeit als Beispiel auf. Sie sei die niedrigste aus ganz Europa. Auch der Leiter der Deutsch-Rumänischen Stiftung, Nicolae Cernei, sieht in der dualen Berufsausbildung die Zukunft. Das kürzlich abgeschlossene EU-Projekt der Stiftung hätte erneut gezeigt, wie förderlich eine parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule sein kann. Bei dem feierlichen Projektabschluss überreichte Böffel seitens der IHK  61 Diplome an Langzeitarbeitslose, die an einer  Weiterbildung zum Kaufmann/frau sowie TechnikerIN für Handel teilnahmen. Zwei Jahre lang besuchten die Teilnehmer Kurse, während sie gleichzeitig bei dem deutschen Unternehmen Hornbach ein Praktikum machten. 47 der Absolventen wurden von Hornbach am Ende ihrer Praktikumszeit angestellt. Der Konsul der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, Klaus Christian Olasz, lobte die Initiative. Das größte Potenzial eines Landes seien die Menschen, so der Konsul. Das Projekt hätte eben darin investiert. 

Praxis...

Hornbach eröffnete im Sommer seinen fünften Baumarkt in Rumänien und seinen ersten in Temeswar. Gerhard Stolz, Ausbildungsleiter bei Hornbach, nannte die Gründe weshalb sich das Unternehmen für eine duale Berufsausbildung in Rumänien stark macht. Man möchte Mitarbeiter und Führungskräfte aufbauen. Es wurden auch acht Teilbereichsleiter ausgebildet, die in der neuen Hornbach-Filiale arbeiten. Mit Ausnahme eines älteren Herrn sind alle unter 30. Weil der Baumarkt in Temeswar noch nicht stand, wurde der praktische Teil der Ausbildung in Kronstadt/Bra{ov und Bukarest/Bucure{ti gemacht. Die Teilnehmer selbst stammen aus unterschiedlichen Teilen des Landes. Ein Großteil ist aus Iassy/Ia{i gebürtig. 
„ Es wurde nicht bloß Beschäftigungstherapie geleistet“, meinte der Konsul. Stattdessen würde man von klaren, konsequenten Fortbildungen sprechen. Obwohl Temeswar und die Region wirtschaftlich stark sind, dürfte man den sozialen Sektor nicht vernachlässigen, so Olasz. Dieser würde große Aufmerksamkeit verdienen. 
Die Abschlussveranstaltung wurde auch von einem Zwischenfall überschattet. Bei der Diplomvergabe zerriss einer der Absolventen aus Protest sein deutsches Zeugnis. Er drückte seine Enttäuschung darüber aus, dass er zu den rund 14 Personen gehörte, die von Hornbach nicht eingestellt wurden. Stolz erwähnte diese während seiner Ansprache beiläufig. Er drückte seine Zuversicht aus, dass diese Personen mit dem erworbenen Diplom mühelos bei einem anderen Unternehmen eine Arbeitsstelle finden werden. Stolz nahm den Ausbruch des Mannes scheinbar gelassen auf. Aufgebrachter wirkte Michael Böffel von der IHK. Das deutsche Diplom ist europaweit gültig. „Damit hat er eher seine eigenen Chancen verspielt“, meinte im Anschluss Cernei. 

...und Theorie

Die 61 Teilnehmer mussten am Ende der Weiterbildung Prüfungen ablegen um einen doppelten Abschluss zu erhalten. Von rumänischer Seite wurde den Kursanten ein Diplom für TechnikerIn für Handel vergeben. Die Industrie- und Handelskammer Rheinland-Pfalz über ihre Filiale in Ludwigshafen stellte ein Diplom für Kaufmann/frau aus. 
Um den theoretischen Teil der Ausbildung war die Deutsch-Rumänische Stiftung zuständig. Die Lehrpläne wurden nach dem deutschen und rumänischen Bildungsprogramm angepasst. Für das deutsche Diplom wurden die Teilnehmer von einer IHK-Kommission geprüft. Die Prüfungen organisierte ebenfalls die Stiftung. 
„Bei einer dualen Berufsausbildung gehören immer zwei Partner“, betonte Stolz. „ Die Deutsch-Rumänische Stiftung hat sich auch um die Unterkunft und Verpflegung der Teilnehmer gekümmert.“ 
Das dreijährige EU-Projekt kostete 12.618.410 Lei, davon wurden nur 73 Prozent ausgegeben. Neben der Weiterbildung erhielten rund 3.900 Arbeitslose im Rahmen des Projektes Beratung.

20.09. Deutsch-Rumänische Stiftung Projekt Duale Ausbildung LOW  


 Robert Tari, Temeswar, 20.09.2012
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