Allgemein Deutsche Zeitung für Rumänien

100 Jahre Johanniskirche

In den Augen von Frank-Thomas Ziegler ist die Johanniskirche ein „Kunstwerk“. „Obwohl sie kleiner ist als die Stadtpfarrkirche, dürfen wir sie nicht unterschätzen, sie ist etwas ganz Besonderes“, glaubt der Kustos der evangelischen Stadtpfarrgemeinde Hermannstadt/Sibiu. Und so wurde das sonst im Schatten anderer Hermannstädter Kirchen stehende  Gotteshaus am vergangenen Samstag besonders gewürdigt – anlässlich des 100. Jahrestages seit der Einweihung der Kirche am 10. November 1912. Die Kirche gehört zum Ensemble des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Waisenhauses auf dem Soldisch-Grund. Heute befindet sich im Gebäude des einstigen Lutherhauses das Kultur- und Begegnungszentrum „Friedrich Teutsch“, das den Festtag für „seine“ Kirche mit einer Reihe von Veranstaltungen organisierte.



In den Augen von Frank-Thomas Ziegler ist die Johanniskirche ein „Kunstwerk“. „Obwohl sie kleiner ist als die Stadtpfarrkirche, dürfen wir sie nicht unterschätzen, sie ist etwas ganz Besonderes“, glaubt der Kustos der evangelischen Stadtpfarrgemeinde Hermannstadt/Sibiu. Und so wurde das sonst im Schatten anderer Hermannstädter Kirchen stehende  Gotteshaus am vergangenen Samstag besonders gewürdigt – anlässlich des 100. Jahrestages seit der Einweihung der Kirche am 10. November 1912. Die Kirche gehört zum Ensemble des Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Waisenhauses auf dem Soldisch-Grund. Heute befindet sich im Gebäude des einstigen Lutherhauses das Kultur- und Begegnungszentrum „Friedrich Teutsch“, das den Festtag für „seine“ Kirche mit einer Reihe von Veranstaltungen organisierte.
Rund 80 Menschen besuchten den Festgottesdienst am Vormittag, den Reinhart Guib, Bischof der evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, und Stadtpfarrer Kilian Dörr feierten. „Das Kirchen 100 Jahre alt werden, scheint selbstverständlich angesichts unseres reichen Kulturerbes. Die Johanniskirche zeigt, dass es das nicht ist“, sagte Guib in seiner Predigt. Die heutige Johanniskirche ist nämlich bereits der zweite sakrale Bau an diesem Platz. Die erste Kirche, die im Jahr 1883 eingeweiht wurde, zeigte nach 16 Jahren bereits armdicke Risse, so dass der Bau schließlich aus Sicherheitsgründen abgerissen wurde.

Über die Baugeschichte der neuen Johanniskirche informierte Frank-Thomas Ziegler in einem lebendigen gehaltenen Vortrag. Für den Neubau schrieb das Landeskonsistorium damals einen Architekturwettbewerb aus, den der Hermannstädter Josef Bedeus von Scharberg für sich entschied. „Er hat versucht, eine neue Nüchternheit einzubringen“, sagte Ziegler. Das ist ihm gelungen, auch wenn nicht alle Vorschläge Scharbergs Anklang fanden, beispielsweise jene, dem Kirchturm eine Zwiebelhaube aufzusetzen. In der Kirche finden sich aber auch Rückgriffe auf die siebenbürgisch-sächsische Sakraltradition, beispielsweise die Verwendung von Weinlaub als Schmuckornament oder der Einbau gestifteter Fenster.

Anfangs diente die Kirche den Bewohnern des Waisenhauses als Betstätte, in kommunistischer Zeit organisierte die evangelische Gemeinde hier Kindergottesdienste. Nach dem Umzug der Fakultät für evangelische Theologie nach Hermannstadt im Jahr 1955 wurde die Kirche das Probierfeld für Theologiestudenten. Eine weitere Nutzungserweiterung erfuhr sie ab 2003 mit der Eröffnung des Kultur- und Begegnungszentrums „Friedrich Teutsch“. Kustos Ziegler freute sich, dass die Kirche heute auch als Hort für Kulturgegenstände dient, beispielsweise den Flügelalter aus Radeln/Roadeº, ein Kreuzigungsbild von Katharina Zipser, das Henndorfer Taufbecken oder die Orgel aus Hadad/Hodod. An letzterer spielte Gemeindekantorin Ursula Philippi. Für die derzeit unbrauchbare Originalorgel auf der Empore, hergestellt 1926 von der Firma Wilhelm Sauer in Frankfurt an der Oder, bat sie um Hilfe für die Restaurierung.

Philippi lud am Nachmittag zu dem musikalisch-informativen Vortrag „Aus alten siebenbürgischen Manuskripten“, in dem sie ausgewählte historische Musikstücke vorstellte und vorspielte. Davor sprach Monica Vlaicu, Mitarbeiterin des Zentralarchivs der evangelischen Kirche im Teutsch-Haus und vormalige Leiterin des Hermannstädter Staatsarchivs, über die Archivgeschichte der evangelischen Kirche. Zur Mittagszeit wurde im Teutsch-Haus eine Fotoausstellung über die Brüder Emil und Josef Fischer eingeweiht. Der Festtag klang aus mit einem Martinsumzug von rund 40 Kindern aus der 15-er Schule. Im Anschluss lud Jugendpfarrer Georg Junesch zu einem ökumenischen Abend in die Johanniskirche.

 Holger Wermke, Hermannstadt, 13.11.2012
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