Radio Temeswar

Beleidigung der rumänischen Theaterschaffenden insgesamt

Der Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar nimmt Stellung zu dem, was der scheidende deutsche Konsul Klaus-Christian Olasz in einem Fazit-Gespräch den deutschsprachigen Medien letzte Woche offenbarte.

Die kritischen Betrachtungen von Konsul Klaus-Christian Olasz zur Tätigkeit des Deutschen Staatstheaters Temeswar (DSTT) als individuelle Sonder- und Schlussbemerkung zu seinem Interview in der Sendung in deutscher Sprache von Radio Temeswar am 8. Juli d.J. wirken überraschend, auch weil Herr Olasz bislang stets, nicht selten öffentlich (wie jüngst bei den Heimattagen der Banater Deutschen), Worte des Lobes und höchster Wertschätzung zur Arbeit unseres Ensembles geäußert hat. Seine bisherigen Statements und seine jüngsten polemischen Äußerungen schließen sich gegenseitig aus.

Auch in einem weiteren Punkt besteht im diplomatischen Verhaltenskodex von Herrn Olasz Optimierungsbedarf: seine Tonlage ist befremdend, wenn er z.B. mit Bezug auf das DSTT behauptet, die Zähmung des Widerspenstigen sei ihm nicht gelungen. Seit wann ist es die Aufgabe eines Konsuls im Gastland etwas oder jemanden zu bändigen? Den herrschaftlich-arroganten Ton einer solchen Aussage ist man hierzulande seit Jahrzehnten nicht mehr gewohnt. Umso weniger vom offiziellen Vertreter eines Landes, zu dem man partnerschaftliche Beziehungen zu pflegen versteht.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass es Gegenstand der konsularischen Aufgaben von Herrn Olasz ist, zu bestimmen, was an einem Theater hierzulande „sein muss“, so auch, dass man sich durch Deutschland-Gastspiele „auch einer unbestechlichen Kritik aussetzen“ müsse. Diese Aussage, woraus zu schließen ist, Theaterkritiker seien in Rumänien per se bestechlich, betrachten wir als eine Beleidigung der rumänischen Theaterschaffenden insgesamt und somit als einen gravierenden kulturpolitischen Fehler.

Die Behauptung von Herrn Olasz, das DSTT produziere unter aus deutscher Sicht beneidenswerten finanziellen Bedingungen, grenzt offenbar an Zynismus. Es sind viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des DSTT – Schauspieler, Techniker, Bedienstete in den Werkstätten, in der Dramaturgie oder der Verwaltung – , die mit einem äußerst geringen Monatsgehalt auskommen müssen und sich aber trotzdem tagtäglich, wie wenige Andere, für dieses Theater engagieren. Und sie tun es viel ehrbarer und aufrichtiger als mancher ausländische Gast, der ohne jegliche fachliche Kompetenz und moralische Befähigung Urteile fällt, aber dessen Einsatz zur Förderung des Rumäniendeutschen Theaters in den vergangenen Jahren vielleicht doch eher als diskret zu bewerten ist.

Temeswar, den 15. Juli 2013

Lucian Vãrsãndan
Intendant des Deutschen Staatstheaters Temeswar

(Foto: DSTT)

07.15. Stellungnahme DSTT  


 Astrid Weisz, Temeswar, 15. Juli 2013
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