Radio Temeswar

Maibaumfest in Sanktanna

Der Frühling wird im deutschsprachigen Raum mit den sogenannten Maifesten gefeiert. Es werden Maibäume aufgestellt, Kinder und Jugendliche singen und tanzen in den Mai. Die deutschen Einsiedler brachten diesen Brauch mit sich auch nach Rumänien. Maibäume konnte man in fast allen Ortschaften mit deutscher Bevölkerung sehen. Nach der Auswanderung wurden solche Feste immer seltener. Die einzige Ortschaft der Banater Schwaben, wo das Maibaumfest noch gefeiert wird, ist die Kleinstadt Sanktanna, 20 Kilometer Nördlich von Arad. Dort wird nähmlich am letzten Maisonntag das beliebte Frühlingsfest begangen. Adi Ardelean war bei der diesjährigen Auflage dabei und berichtet.



Das Maibaumfest in Sanktanna ist das einzige Fest seiner Art, das die Transformationsprozesse der modernen Geschichte der Rumäniendeutschen im Banat überleben konnte. Das – dank der deutschen Abteilung der Ortschule, die den organisatorischen Teil vor mehr als 15 Jahren übernommen hat und das Fest mit den eigenen Kindern und Jugendlichen weiter führt. Daher ist auch der Austragungsort mittlerweile traditionsgemäß der Schulhof. Dort wird der Maibaum aufgestellt und von dort aus marschieren die Trachtenpaare am Sonntag-Nachmittag durch die Straßen von Sanktanna. Rund 200 Kinder und Jugendliche in Tracht machten in diesem Jahr mit – eine bisherige Rekordzahl. Musikalisch begleitet wurden sie von der Großpereger Kapelle. Marschiert wurde ins Stadtzentrum, am Rathaus vorbei, zur katholischen Mutter-Anna-Kirche, wo die Teilnehmer einer Marienanacht beiwohnten. Das ist ein kurzer Gottesdienst zur Ehrung der Muttergottes, der gewöhnlich im Monat Mai gebetet wird.



Nach der Maiandacht ging es zurück zur Schule. Unter dem Maibaum wurden die drei Ehrentänze getantzt und die teilehmenden Jugend- und Kindergruppen boten ein Kulturprogramm. Die örtliche Tanzgruppe Busuiocul stellte rumänische und deutsche Tänze vor, es folgten die Auftritte der Gastgruppe aus Neuarad sowie der Gasgebergruppe der Sankt-Anna-Schule. Unter dem Maibaum wurde nicht nur getantzt sondern auch gesungen. Die Schüler der deutschen Abteilung stimmten ein paar lustige Mailieder an. Typisch für das Maibaumfest in Sanktanna sind die zwei Lämmer, die traditinsgemäß in einem Korb auf dem Maibaum gebracht werden sollten. Da aber diesmal das Wetter zu warm war, wurden die beiden Lämmer in den Schatten gelegt. Das eine Lamm wurde versteigert, das andere ausgelost. Die beiden Gewinner wurden mit Blasmusik nach Hause begleitet. 



Fotos: der Verfasser


20140525_Maibaum  


 Adrian Ardelean, Sanktanna, 25.05.2014
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