Radio Temeswar

Feierliche Kerweih in Guttenbrunn

Die traditionelle Kerweih wurde am vergangenen Sonntag (den 17.08.2014) zum ersten Mal nach einer langen Unterbrechnung in der Arader Großgemeinde Guttenbrunn veranstaltet. Es war ein Fest der Söhne des Dorfes. Die Ortschaft feierte 290 Jahre seit der Niederlassung der Deutschen vor Ort. Aus diesem Anlass kamen mehr als 100 Landsleute aus Deutschland auf Besuch in die alte Heimat wieder zurück. Adi Ardelean war dabei und berichtet.



Rund 60 Familien aus Fürth im Odenwald ließen sich 1724 bei Guttenbrunn nieder und gaben dem Ort diesen Namen, dank eines Brunnens mit gutem Trinkwasser. Guttenbrunn wurde zur reichsten deutschen Großgemeinde des Kreises Arad und bestritt den Rang der reichsten Gemeinde der Schwaben aus dem Banat mit der Temscher Ortschaft Jahrmarkt. In den letzten 30 Jahren wanderten aber die meisten Guttenbrunner nach Deutschland aus, während die Alten hier Gebliebenen allmählich bis auf den Letzten verstarben. Doch ein Mal in zehn Jahren kehren die Guttenbrunner in ihr Heimatdorf zurück, um mit den jetzigen Bewohnern der Gemeinde ihre alten Feste zu feiern, sagt Bernhard Krastl, der Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Guttenbrunn in Deutschland.



Ein Fest für die Guttenbrunner aus Deutschland in der alten Heimat. Die alte Kerweihatmosphäre wurde von den Jugendlichen des Temeswarer Trachtenveriens Banater Rosmarein nachgespielt. Sie zogen die traditionellen schwäbischen Guttenbrunner Kirchweihtrachten an. Grete Weidmann schenkte dem Verein zwei solche Trachten. Eine Guttenbrunner Altweibertracht zog auch die Leiterin des Jugendtrachtenvereins Banater Rosmarein, Edith Singer, an. Die Trachtenpaare zogen mit dem Kerweihkranz zu den Akorden der slowakischen Blaskapelle aus Nadlak vom Kulturheim zum Rathaus. Der Bürgermeister wurde zum Fest mit einem beschmückten Rosmerein-Apfel eingeladen. Nach einem Ehrentanz ging die Gemeinschaft in die römisch-katholische Ortskirche, die dem Fest der Kreuzerhöhung geweiht ist. Pfarrer Attila Ando zelebrierte den Festgottesdienst.



Nach dem Gottesdienst wurden Kränze am Denkmal der Ahnen niedergelegt. Danach wurde durch die Straßen der Gemeinde zu den Akkorden der Blasmusik marschiert. Den Trachtenpaaren folgten die Landsleute aus Deutschland, die dabei ihre Jugendzeit revue passieren ließen. Der Umzug endete schließlich wieder vor dem Kulturheim. Der Kranz mit der Weinflasche wurde an die Wand angenagelt und die Kerweihsprüche gesprochen. Typisch für Guttenbrunn ist der traditionelle Tusch, den die Kerweihbuben tanzen. Der Ursprung dieses Tanzes ist der Rekrutentanz, den die Buben vortrugen, bevor sie zum Militärdienst gingen, später wurde er zum Kerweihtanz. Das Lustige daran ist, dass der Tanz wiederholt werden muss, wenn einer der Jungs einen Fehler macht und schlecht Stampft. Auch wenn der Tanz diesmal perfekt verlief, wurde er wiederholt, da die alten Herren ihn auch tanzen wollten, so wie zu ihrer Jugendzeit. Ein Erlebnis, das allen anwesenden Landsleuten ans Herz ging, schlussfolgert der HOG-Vorsitzende Bernhard Krastl.



Zuständig für den logistischen Part war die Gemeindeverwaltung, die das Fest als ein Treffen der Söhne des Dorfes veranstaltete, so Bürgermeister Marian Toader. Das Fest ging bis spät am Abend mit einem gemütlichen Beisammensein der Guttenbrunner von gestern und von heute im Kulturheim weiter. Für das Leibliche Wohl sorgte die Gemeindeverwaltung, für gute Stimmung war die slowakische Band Sidori aus Nadlak zuständig, die extra für den Ball mehrere deutsche Lieder einstudierte.



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 Adi Ardelean, Guttenbrunn, 17. August 2014
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