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Die Donauschwaben in Amerika - Integration zwischen Assimilation und Identitätsbewahrung

"Schwowisch ist ne Weltsproch" sagen die Donauschwaben stolz und die Aussage ist richtig, insofern diese Volksgruppe mittlerweile überall auf der Welt anzutreffen ist. Auch wenn sie heutzutage sogar tausende von Kilometern weit weg von ihrer Heimat leben, versuchen sie trotz Assimilationsversuche ihre Identität zu bewahren und ihre Muttersprache, Sitten und Bräuche weiterhin zu pflegen. Adrian Ardelean unternahm im Herbst 2014 eine Amerikareise und war für einen Tag zu Gast bei der donauschwäbischen Gemeinschaft im kanadischen Montreal.



Der amerikanische Traum. Ihn gibt es seit dem 19. Jahrhuntert, seitdem die USA ihre Immigrationspolitik startete, um Einwanderer ins neue Land heranzuziehen. Viele Europäer auf der Suche nach einem Neubeginn, auf der Flucht vor dem Krieg oder einfach um etwas Geld zu verdienen, zogen nach Nordamerika. Die Transathlantik-Reisen dauerten zwei Wochen und nur 90% der Passagiere schafften es bis ans Ziel. Einer von 10 starb auf der Überfahrt an schlechten hygienischen Bedingungen. Bei ihrer Ankunft auf dem neuen Kontinent empfängt die Einreisenden seit 1886 die bekannte Freiheisstatue, eines der stärksten amerikanischen Symbole. An ihr vorbei zogen auch die Passagierschiffe Richtung Ellis Island, wo bis 1954 das befürchtete Immigrantenzentrum funktionierte. Erst nach tagelangen Untersuchungen und sorgfältigen Sortierungen konnten die Einreisenden das versprochene Land betreten. So kamen nach Nordamerika auch Donauschwaben. Sie ließen sich in mehreren Städten in den USA oder in Kanada nieder, so auch in Montreal, in der heute französisch-sprachigen kanadischen Provinz Quebeque. Sie bauten sich Häuser, eigene Wohnviertel und später sogar Kirchen.

Die Donauschwäbische Gemeinschaft in Montreal von heute verfügt über ein sogennates Haus der Heimat. Ebenda können die älteren Mitglieder der Gemeinschaft für geringe Mietkosten wohnen. Erbaut wurde das Haus in den 1990-er Jahren von einer deutsch-kanadischen Stiftung. Das Haus der Heimat ist auch Treffpunkt für die gesamte Gemeinschaft der Donauschwaben aus Montreal. Im Festsaal des Gebäudes werden die wichtigsten Veranstaltungen ausgetragen und ebenda probt auch die deutsche Volkstanzgruppe. Seele der donauschwäbischen Gemeinschaft in Montreal ist Rosemarie Stefan. Sie wurde bereits in Kanada von Einwanderereltern geboren. Der Vater stammt aus der ehemaligen banatschwäbischen Gemeinde Baumgarten bei Arad, die Mutter aus der schwäbischen Türkei in der ungarndeuschen Branau. Bei unserem Besuch probte die Tanzgruppe fleißig für das bevorstehende Krichweihfest: die erste Neuauflage in Montreal nach einer langen Unterbrechung.

Das donauschwäbische Kirchweihfest in Montral fand am 2. November statt und es war ein Erfolg. Die Gemeindemitglieder blicken nun mit Interesse auf folgende Auflagen. Und so leben die alten Bräuche der Donauschwaben weiter, auch tausende Kilometer fern von der Heimat.

 Adrian Ardelean, Montreal und New York, Oktober 2014
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