Radio Temeswar

Festrede zum Heimattag 2015 in Temeswar

Die 12. Heimattage der Banater Deutschen vereinten am (29.-31. Mai) Landsleute aus dem Banat, dem Bergland und Deutschland in Temeswar. Über 20 Vereine und Gruppen, sowie 3 Blaskapellen bereicherten das Programm. Die festliche Eröffnung fand am Samstag in der Temeswarer Oper statt.  Im zeitraffenden Zusammenschnitt sind die Feierlichkeiten in der Sendung vom 1. Juni bei Radio Temeswar zu hören. Der Link ist 8 Tage lang gültig.

Anbei die Festrede des DFDB-Vorsitzenden, Johann Fernbach.


Foto: Adrian Ardelean

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

für uns Banater Deutschen haben die Heimattage eine ganz besondere Bedeutung. Sie finden abwechselnd im Banat und in Deutschland, in Ulm, statt. Temeswar und Ulm sind die beiden symbolträchtigen Städte der Banater Schwaben. Von Ulm aus zogen sie im 18. Jahrhundert donauabwärts und besiedelten das Banat, das sie in den vergangenen fast drei Jahrhunderten entscheidend prägten. Darüber sind wir stolz, dieses Erbe wollen wir weiterführen - es ist unser Auftrag und unsere Verpflichtung. Wir, das Banater Forum im gleichen Maße wie alle Banater Deutschen, wo auch immer sie heute leben - ob in Temeswar oder Arad, Reschitza oder Sanktanna, Billed oder Bakowa, oder aber in München, Nürnberg, Stuttgart oder Karlsruhe. Wir gehören zusammen, sind eine Familie.

Der Heimattag bietet uns die Möglichkeit, unsere Familie wieder zu entdecken, uns ihrer zu besinnen, Begegnungen zu organisieren. Am Heimattag kommen Familien zusammen, es treffen sich Verwandte, Freunde und Bekannte wieder. Heimattage sind dazu da, die Brücke zwischen den Banater Schwaben hüben wie drüben zu bewahren, aber sie sind ebenfalls dazu da, auch politisch den Kontakt zwischen den beiden Ländern aufrecht zu erhalten und sie sind Anlass für uns, uns zu erinnern und rückzubesinnen. 

Die Verbundenheit über Grenzen hinaus beruht auf der Pflege des Brauchtums und auf dem regen Austausch zwischen den Schwaben und den Ländern in denen sie heute leben. So ist es vielen ausgewanderten Schwaben ein Anliegen, trotz Integration in Deutschland, ihre Identität zu bewahren und sich weiterhin als Banater Deutsche zu betrachten. Dazu gehört ganz wesentlich die Pflege der Traditionen und an den Festtagen die Tracht der Vorfahren zu tragen.

Meine Damen und Herren, liebe Gäste, wir sehen mit Genugtuung, dass die Zahl der Dorffeste der Banater Schwaben und der Berglanddeutschen zunimmt und auch bei den Behörden Anklang findet. Es ist von großer Bedeutung, dass die Traditionen unserer Vorfahren weitergeführt werden, dass sie auch weiter gelebt werden. Es gibt natürlich die Ortschaften, die Kirchweih, Fasching, Erntedankfest nie aufgegeben haben. Andere nehmen nach vielen Jahren der Unterbrechung ihre ehemals traditionellen Feste wieder auf. Glücklicherweise gibt es immer mehr davon. 
Das ist ein Beweis dafür, dass die heute etwa 15.000 hier verbliebenen Deutschen in den drei Banater Kreisen auch weiterhin Akzente setzen können und das auch tun. Das heißt aber auch, dass die Behörden in den Kommunen unsere deutsche Gemeinschaft als einen wichtigen Partner betrachten und als solchen würdigen. Aus diesem Grund muss es auch unser fundamentales Anliegen sein, unsere Identität weiter zu pflegen. Es lohnt sich, sowohl im Banat, als auch in Deutschland das Jahrhunderte alte schwäbische Brauchtum und die Sprache weiter zu tragen und den nächsten Generationen zu vermitteln, denn diese Individualisierung stellt eine Bereicherung für den Einzelnen dar. 

Meine Damen und Herren,
unsere Gemeinschaft steht in diesem Jahr im Zeichen von Ereignissen, die unsere Existenz entscheidend geprägt haben. Wir gedenken des Beginns der Deportation der Deutschen aus Rumänien in die Sowjetunion von 70 Jahren, ein Ereignis das weitreichende Folgen hatte und unser Schicksal als Gemeinschaft prägte. Aus diesem Grund haben wir ein wichtiges sichtbares Zeichen gesetzt und haben ein Denkmal am Adam Müller-Guttenbrunn-Haus aufgestellt. Dieses soll die Zeit überdauern und an das Leid all jener, die verschleppt wurden, die gelitten haben, oder in der Fremde ihr Leben gelassen haben, erinnern. Mein besonderer Dank für die Durchführung dieses Projektes geht an Herrn Ignaz Bernhard Fischer, der über die Jahre das Projekt betreut hat und dessen Durchführung ermöglicht hat. 

Dieses Jahr steht aber auch im Zeichen der Erinnerung an den Neuanfang. Vor 25 Jahren wurde das Demokratische Forum der Deutschen im Banat gegründet. Sofort nach dem Fall der kommunistischen Diktatur in Rumänien wollten auch die Banater Deutschen den demokratischen Neuanfang unseres Landes mitgestalten. Es galt, neue, demokratische Strukturen und Institutionen aufzubauen, und unser Land in Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit nach den dunklen Jahren des Kommunismus und der politischen Willkür wieder aufblühen zu lassen. Wie schwierig das am Anfang sein sollte, zeigte die damals so visionäre Temeswarer Proklamation, die so kontrovers diskutiert wurde.

Das Forum war stets bemüht, den Wandel zu unterstützen, die Öffnung des Landes in Richtung Westen zu fördern, um Anschluss an die westlichen Demokratien und die Länder der Europäischen Union zu finden. Es ist nicht verwunderlich, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Jahre 2001 ausgerechnet Temeswar als „Rumäniens Tor zum Westen" beschrieb.

Wenn heute in unserem Land mit Klaus Johannis ein Deutscher im höchsten Amt des rumänischen Staates ist, dann bedeutet das, dass die rumänische Gesellschaft eine Offenheit und Akzeptanz charakterisiert, die in nur sehr wenigen Ländern möglich wäre. Es zeugt von großem Vertrauen, dass einem Siebenbürger Sachsen diese hohe Ehre zuteil wird, auch wenn diese auch gut begründet ist, und auf seinem überzeugenden Erfolg als Bürgermeister von Hermannstadt basiert. Es bedeutet aber auch, dass wir die gleichen Werte mit der Mehrheitsbevölkerung teilen, und auch, dass unsere kleine Gemeinschaft geschätzt wird.

Es ist von außerordentlicher Bedeutung, dass wir Banater Deutschen weiterhin in Rumänien und in Deutschland sichtbar und erkennbar bleiben. Dazu gehört die konsequente und hingebungsvolle Pflege unserer Einrichtungen und Symbole. Damit meine ich sowohl unsere Kulturdenkmäler, als auch die Kultur- und Bildungseinrichtungen. 

Ein solcher Schritt ist die Sanierung der Kirche und des Klosters Maria Radna, dem Wallfahrtsort der Banater Katholiken. Diese Herzensangelegenheit der Banater Schwaben wurde durch eine kollektive Anstrengung möglich, an der zahlreiche Akteure mitgewirkt haben, allen voran der Abgeordnete unserer Minderheit, Herr Ovidiu Gant, den ich ganz herzlich in unserer Mitte begrüße. Er hat sich in Bukarest auf höchster Ebene dafür eingesetzt, dass die Mittel dafür zur Verfügung gestellt wurden. Wir freuen uns, dass im August dieses Jahres die Arbeiten fertig gestellt werden und dieses Symbol unserer Gemeinschaft in neuem Glanz erstrahlen wird.

Um die Bewahrung unserer Identität sicherzustellen, ist die Sicherung eines guten Schulsystems in unserer Muttersprache vor herausragender Bedeutung. Die Nikolaus-Lenau-Schule in Temeswar, das Adam-Müller-Guttenbrunn Lyzeum Arad oder das Diaconovici-Tietz Lyzeum in Reschitza sind in besonderer Weise zu erwähnen, weil sie auch innerhalb der Mehrheitsbevölkerung sehr beliebt sind, da sie sehr gute Aussichten für Absolventen auf dem Arbeitsmarkt bieten. Für die Lehrer an diesen und an allen anderen Schulen der deutschen Minderheit in unserem Land müssen wir gemeinsam mit unseren Partnern aus Deutschland weitere Möglichkeiten der Förderung finden, um deren Verbleib im Bildungswesen zu sichern. 


Wenn wir über Bildung sprechen, müssen wir auch den großartigen Erfolg des Banater Schwaben Stefan Hell erwähnen, dem im vergangenen Jahr der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. Der in Sanktanna geborene Professor Stefan Hell hat durch seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse die Welt auf sich aufmerksam gemacht. Er hat sich ebenfalls stets auf seine Banater Heimat bezogen und sich gerne an seine - wenn auch kurze - Zeit als Schüler der Lenau-Schule erinnert. 

Meine Damen und Herren, wir wollen auch nicht vergessen, dass für Geborgenheit und Sicherheit im Falle der Bedürftigen unsere Sozialeinrichtungen sorgen: Altenheime, Sozialstationen, Essen auf Rädern - das alles gehört zu unseren Leistungen, um Alten, Kranken und Menschen in Not aus unserer Gemeinschaft zu helfen. All jenen, die sich in diesem wichtigen Bereich engagieren, gilt mein ganz besonderer Dank. 
 
Auch die wirtschaftliche  Komponente spielt für uns eine bedeutende Rolle. Mehr noch, sie wird sicherlich auch in der Zukunft eine immer wichtigere Position einnehmen. Das müssen wir weiter fördern. Der Verein für Internationale Kooperation Banatia hat dabei eine wichtige Funktion.  

Am heutigen Tag möchte ich in besonderer Weise all jenen danken, die sich in den Strukturen und Organisationen des Banater Forums engagieren. Durch sie und gemeinsam mit Ihnen allen können wir unserer Aufgabe gerecht werden und zukunftsfähig sein. Auch rufe ich vor allem die junge Generation auf, sich stärker zu beteiligen, damit unsere Stimme klarer und deutlicher gehört wird. 

Auch danke ich der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland und den Heimatortsgemeinschaften für ihre vielfältige Unterstützung und Beistand. Der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Hiergebliebenen und jenen, die ausgesiedelt sind, muss dynamisch und intensiv sein, denn das ist für beide Seiten von Nutzen.

Mein Dank gilt ebenfalls den rumänischen Behörden - auf Landes- Regional- und Lokalebene für ihre Unterstützung. Es ist für uns von lebenswichtiger Bedeutung, dass diese weiter geführt wird, damit der Fortbestand unserer Einrichtungen gesichert wird. Dies wird auch während der kommenden Sitzung der deutsch-rumänischen Regierungskommission für die Angelegenheiten der deutschen Minderheit in Rumänien, die Anfang Juli in Temeswar stattfindet, erörtert werden.

Das Forum ist und soll auch in der Zukunft ein wichtiger Baustein der bilateralen deutsch-rumänischen Beziehungen sein. Dabei ist unser Wirken sowohl auf lokaler wie auch auf nationaler Ebene gefragt. Lassen Sie uns diesem Beitrag leisten. Es lohnt sich. Für die Zukunft unserer Gemeinschaft, für unsere Kinder und Enkelkinder, für die Zukunft unseres Landes.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Johann Fernbach
zum Heimattag der Banater Deutschen in Temeswar am 30.05.2015
 Astrid Weisz, Temeswar, 30. Mai 2015
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