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Donauschwabenfest in Surgetin/Ungarn

Sie pflegen die gleichen Bräuche, tragen ähnliche Trachten und sprechen dieselbe Mundart mit ihren spezifischen ortsbezogenen Variationen. Man kann sie sogar als eine einheitliche Minderheit in Rumänien, Ungarn, Serbien und Kroatien betrachten. Die Donauschwaben. Ein Fest für die Angehörigen dieser Gemeinschaft beherbergte am ersten September-Wochenende die ungarndeutsche Ortschaft Surgetin in der Branau. Der Verein deutschsprachiger Journalisten aus Rumänien und Ungarn, das FunkForum, war dabei durch seinen Geschäftsführer, Adrian Ardelean, vertreten.



Chöre, Kapellen und Tanzgruppen haben die Donauschwaben in all ihren Siedlungsgebieten – und ihre Volkskultur ist zum verwechseln ähnlich. Diese Volkslieder, die der Intermelody-Chor aus Surgetin vorträgt, könnten genau so gut aus Esseg, Neusatz oder Temeswar kommen. Ähnlich waren auch die Schicksaale der Donauschwaben: das Kämfen ums Überleben in den ersten Jahren nach der Kolonisation, der schwer erarbeitete Wohlstand, die Auswanderung nach Amerika, die beiden Weltkriege, die Russlanddeportation, der Kommunismus und die Auswanderung nach Deutschland. 

Die Gäste begrüßte der Surgetiner Bürgermeister Josef Hergenröder. Auf der Bühne und auf der Tanzfläche davor wechselten sich Kinder- und Erwachsenengruppen ab. Traditionelle unagrndeutsche Tänze stellten die Kindergruppe aus Nimmesch und die Erwachsenengruppe aus Paks vor. 
Vivien Toth und Anton Kress sangen dazu Lieder von Oma. Durch solche Feste wollen die Veranstalter die Identität ihrer Minderheit stärken, sagt der Leiter des Regionalbüros der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen in Fünfkirchen und Vorstandsmitglied im Veband der Branauer deutschen Selbstverwaltungen, Zotan Schmidt.

Die Zugehörigkeit zum Schwabentum bedeutet auch für die Gastgeberin sehr viel. Die Vorsitzende der ungarndeutschen Selbstverwaltung in Surgetin, Renate Ulbert, zog extra für das Doanuschwabenfest die Tracht ihrer Großmutter an. Zum Ausdruck kam auch die örtliche Mundart. Heinrich Heil erzählte eine lustige Geschichte auf Schwäbisch. Für seinen Auftritt erhielt Heinrich Heil von der Gastgeberin des Festes, Renate Ulbert, ein paar Lederstiefel mit einer interesanten Vorgeschichte.

Im Unterschied zu den Rumäniendeutschen, die nach ihrer Rückkehr von der Zwangsarbeit aus der damaligen Sovjetunion eventuell noch in den Baragan deportiert wurden, mußten die Jugoslawiendeutschen in örtliche Vernichtungslager, während die Ungarndeutschen aus ihrer Heimat nach Deutschland vertrieben wurden. An die Vertreibung der Unagrndeutschen erinnert ein Denkmal vor der Dorfkirche in Surgetin, wo im Vorfeld des Festes Kränze nieder gelegt wurden. Und an das traurige Schicksal ihrer Vorfahren knüpfte auch die Tanzgruppe der Unagrndeutschen aus Nadwar an, indem sie eine besondere Koreographie zu diesem Thema auf die Bühne brachte.

Das Donauschwabenfest ging mit deutscher volkstumlicher Schlagermusik weiter. Die Branauer Stimmungsparade ist seit sieben Jahren ein fester Bestandteil des Festes und mit dabei waren auch diesmal mehrere ungarndeutsche Künstler darunter Familie Millich und Ferko Talosch. Die Unterhaltung wurde mit Tanz für alle Anwesenden fortgesetzt. Die Stimmung wurde von der unagrndeutschen Band Unterrock aus Fünfkirchen angeheizt. Dannach kamen die Stars des Abends auf die Bühne. Die Jungen Paldauer aus Österreich unterhielten die Donauschwaben im ungarndeutschen Surgetin bis in die Morgenstunden. Zum Ausklang des Donauschwabenfestes luden die Österreicher ihre ungarndeutschen Kollegen auf die Bühne zu einem Gemeinschaftslied ein.

Foto: der Verfasser

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 Adrian Ardelean, Surgetin, 05.09.2015
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