Radio Temeswar

Wirtschaftsmeldungen der Woche - 09.07.2009


Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU-Staaten beschlossen, das Haushaltsdefizit mehrerer Länder zu korrigieren. Es geht um Rumänien, Lettland, Litauen, Malta, Polen und Ungarn. Rumänien muss sein Defizit bis 2011 senken und dafür die eingeplanten Steuermaßnahmen und die verhandelte Gehälterpolitik sowie die Reform im Rentenbereich durchführen. Als Bedingung für die weitere finanzielle Unterstützung stellen die Europäische Kommission und der Internationale Währungsfonds die Einhaltung des gemeinsam verhandelten Programms und die Mitunterstützung seitens der Privatbanken, die auch Teil des Abkommens sind – erklärte der europäische Kommissar für Wirtschaft und Währung Joaquin Almunia.

Auf minus sieben bis acht Prozent beziffert der Internationale Währungsfonds den wirtschaftlichen Rückgang Rumäniens in diesem Jahr – verzeichnet der Rumänien-Online-Kourier. Damit korrigiert der IWF seine ursprüngliche Prognose von minus vier Prozent. Grund für die pessimistische Prognose sei die Verschlechterung der globalen Wirtschaftslage, aber vor allem die äußerst fragile Situation der meisten einheimischen Indikatoren. Laut der jüngsten IWF-Prognose wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr auf nur noch 110 Milliarden Euro schrumpfen, nachdem es 2008 bei 133 Milliarden Euro lag. --- Sollte das IWF-Szenario Wirklichkeit werden, so drohe dem Land eine massive Steigerung der Arbeitslosigkeit sowie Steuererhöhungen, um die sinkenden Einkommen des Staatshaushaltes zu retten. In der zweiten Jahreshälfte sei im öffentlichen Sektor mit Gehaltssenkungen sowie mit weiteren Entlassungen zu rechnen. Investitionsprojekte müsse die Regierung im Falle eines BIP-Rückgangs von acht Prozent fast gänzlich einstellen, auch könne sie ihren Anteil an EU-finanzierte Programme nicht mehr begleichen. Prioritär bleibe die zeitgerechte Auszahlung der Renten sowie der Beamtengehälter, ebenso wichtig sei aber die deutliche Senkung der Staatsausgaben. Nachdem Bukarester Wirtschaftszeitungen erste Details des neuen IWF-Szenario veröffentlichten, kritisierten zahlreiche Unternehmer die Regierung erneut aufs Schärfste.

Das Wirtschaftsministerium beurteilt die Einführung des minimalen Steuersatzes als einen Fehler der Regierung. Wirtschaftsminister Adrian Videanu erklärte, die Steuerpolitik habe nicht nur das Ziel, Gelder einzukassieren, sondern auch die Wirtschaft zu stimulieren. Eine Steuererhöhung habe nicht immer als Folge mehr Geld in der Staatskasse, so Minister Videanu weiter. Er fügte hinzu, die Untergrundwirtschaft stiege von 22 auf 33% in den letzten anderthalb Jahren.

Die Arbeitslosenquote in Rumänien ist im Juni auf 6 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat war sie um 0,2 Prozentpunkte und im Vergleich zu Juni 2008 um 2,3 Prozentpunkte höher, wie die Agentur für Beschäftigung in Bukarest mitteilte – zitiert von der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien. Ohne Arbeit waren Ende Mai mehr als 500.000 Menschen, um fast 100.000 mehr als zu Beginn des Jahres. Die höchste Arbeitslosigkeit wurde in den Kreisen Vaslui, Mehedinti und Alba verzeichnet, die niedrigste in Ilfov, Temesch, Konstanza, Bihor und Sathmar. In Bukarest betrug die Arbeitslosenquote 1,8 Prozent. Die rumänischen Behörden rechnen zum Jahresende mit einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent, nach 4,4 Prozent Ende 2008. Die Europäische Kommission geht in ihrer jüngsten Konjunkturprognose von acht Prozent aus.

Der durchschnittliche Nettolohn in Rumänien ist im Mai gegenüber April um 52 Lei und damit nominell um 3,7 Prozent auf 1.356 Lei gesunken. Inflationsbereinigt ist das ebenfalls ein Minus von 3,7 Prozent, teilte das Nationale Institut für Statistik mit – zitiert von der online-Ausgabe der ADZ. Im Vergleich zu Mai 2008 stieg der Nettolohn um nominell 8,7 Prozent, real jedoch nur um 2,6 Prozent. Auf Oktober 1990 bezogen, als die Preisliberalisierung begann, war der Reallohn im Mai 2009 um 23,3 Prozent höher. Die Nationale Prognosekommission rechnet in diesem Jahr mit einem Rückgang des Reallohns um 1,9 Prozent. --- Die Preise der Industrieproduktion sind im Mai im Vormonatsvergleich um 0,4 Prozent gestiegen, nachdem sie in den beiden Monaten davor um 0,2 Prozent beziehungsweise 0,6 Prozent gesunken waren. Im Vergleich zu Mai 2008 legten die Preise um 1,4 Prozent zu, teilte das Nationale Institut für Statistik in Bukarest mit. Überdurchschnittliche Preissteigerungen wurden im Vorjahresvergleich bei langlebigen und kurzlebigen Konsumgütern und bei Kapitalgütern verzeichnet. Gesunken sind die Preise bei Erzeugnissen der Energieindustrie.

Die rumänische Automarke Dacia verbucht in der Bundesrepublik Deutschland neue Erfolge, so der Rumänien-Online-Kourier: Unterstützt durch die Abwrackprämie der Bundesregierung konnte der Renault-Dacia-Konzern im vergangenen Monat mehr als 27.000 PKWs verkaufen, um 97 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. In der ersten Jahreshälfte 2009 verkaufte der französische Konzern knapp 116.000 Autos in Deutschland, um 48 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2008. Der Marktanteil von Renault und Dacia in der Bundesrepublik liegt nun bei 6,5 Prozent, denselben Anteil hat Audi. Renault feierte Ende vergangener Woche 10 Jahre Rumänientätigkeit.

Vertreter der Stadt Temeswar und des Kreises Temesch präsentierten auf der gestrigen Regierungssitzung den Stand der Investitionen. Laut Entwicklungsminister Vasile Blaga werden bis am 15. Juli die 20 Millionen Lei für die Rehabilitierung der 75 Wohnblocks zur Verfügung gestellt, erklärte der Temeswarer Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu nach den Gesprächen in Bukarest. Gelder für den Bau des olympischen Schwimmbeckens  und des Sportsaals wurden auch zugesagt. Dafür müssen noch einige Dokumentationen vollendet werden. Hinsichtlich der Rehabilitierung der historischen Gebäude in Temeswar muss das Finanzministerium einen Vertrag mit der deutschen KfW-Bank unterzeichnen, um den Kredit von 5 Millionen Euro einzusetzen. Gute Nachrichten auch für das Projekt zur Entschlammung des Bega-Kanals. 34 Millionen Lei sollen dafür locker gemacht werden. Desweiteren stellten Präfekt Mircea Bacala und Kreisratsvorsitzender Constantin Ostaficiuc die Investitionsprojekte des Kreises vor. Die Regierung gibt allen Kreisen während des Sommers diese Gelegenheit. Die Gelder, die in manchen Kreisen nicht ausgegeben werden, sollen sofort an andere Kreise verteilt werden, in denen man Investitionen tätigt, erklärte Premierminister Emil Boc.

Die Kreisstraße Franzdorf – Slatina Timis im Kreis Karasch-Severin wird aus EU-Fonds modernisiert. Die Finanzierung läuft über das Regionale Operationelle Programm 2007-2013. Der Vertrag wurde heute in Reschitza im Beisein des Entwicklungsministers Vasile Blaga unterzeichnet. Gleichzeitig wurden weitere 2 Förderverträge für Projekte in den Kreisen Temesch und Hunedoara unterzeichnet. --- Die Kommunalstraße Zerind – ungarische Grenze wird ebenfalls modernisiert. Das Projekt beinhaltet eine 7,5-Km-lange Strecke und befindet sich in der Dokumentationsphase. Partner des Projekts sind die Kreisräte aus Arad und Bekes. Vertreter beider Institutionen treffen sich morgen in Zerind, um die Dokumentation abzuschließen. Das Projekt wird in erster Linie den Personen- und Güterverkehr an der Landesgrenze erleichtern.

Eine öffentliche Debatte startete am Montag in Temeswar. Im Mittelpunkt steht die Luftverschmutzung verursacht durch den Reifenproduzenten Continental. Eingeleitet wurde die Kampagne von der Kreisbehörde für Umweltschutz. Einen Monat lang werden die Messdaten sowie die bisherigen Berichte analysiert. Danach soll die Umweltschutzbehörde konkrete Maßnahmen für die Minderung der Luftverschmutzungen treffen. Die Initiative kommt als Antwort auf mehrere Beschwerden seitens der Bewohner aus der Umgebung der Fabrik.

Die alte Militärkaserne der Stadt Temeswar wird zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut. Das U-Gebäude am Marasti-Platz wurde von einer Geschäftsfrau für 7 Millionen Euro erworben, nachdem die litauischen Ausschreibungsgewinner es wegen der Wirtschaftskrise weiterverkaufen mußten. Die Temeswarer Firma will nun 10 Millionen Euro weiterinvestieren. Das Gebäudeensamble verfügt über 8 Tausend Quadratmeter. Am Erdgeschoss sollen Geschäfte entstehen und eine Etage wird zum Büroraum erster Klasse eingerichtet. Das Unternehmen beabichtigt desweiteren einen unterirdischen Parkplatz zu bauen.

Die Parkgebühren am Temeswarer Flughafen wurden erhöht. Eine Stationierung für 30 Minuten kostet auf dem ersten Parkplatz je 2 Lei für 24 Stunden, je 1 Leu 50 für 48 Stunden und je 1 Leu für eine Parkzeit zwischen 2 und 7 Tagen. Auf dem 2.ten Parkplatz sind die Preise um je 50 Bani billiger. Auf beiden Parkplätzen sind die ersten 15 Minuten kostenlos.

Der Flugverkehr am Temeswarer Internationalen Flughafen ist in der ersten Jahreshälfte um 6% im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Einnahmen sind um 15% gewachsen und man verzeichnet einen Profit von rund 13%. Die jüngsten Modernisierungsarbeiten haben eine Verbesserung des Flugverkehrs und eine erhöhte Anzahl von Fluggästen hervorgerufen.

Die Mitglieder des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Temeswar kommen heuteabend innerhalb des monatlichen Treffens zusammen. Dieses findet im großen Saal von Gradina Banateana statt, Justiz-Park Nr.1, in der Nähe der rumänisch-orthodoxen Katedrale. Thema des Abends ist Ökologie und soziale Verantwortung der Unternehmen. Willibald Kaltenbrunner, Geschäftsführer eines Wiener Unternehmens spricht zum Thema: „Fit für die Zukunft - Erfolg mit öko-sozialen Themen”. Dies ist das letzte Treffen der DWT-Mitglieder vor den Sommerferien.

Zum Schluss die Quotierungen der rumänischen Nationalbank von gesternnachmittag: ein Euro wurde auf 4 Lei 21 bewertet und ein US-Dollar auf 3 Lei 02. 100 ungarische Forint sind 1 Leu 52 und 100 serbische Dinar 4 Lei 56. Ein Gramm Gold kostet 89 Lei und 69 Bani.

Mit weiteren Wirtschaftsthemen melden wir uns in 7 Tagen zurück. Haben Sie bis dahin eine erfolgreiche Woche!

 Adrian Ardelean, Temeswar, 09.07.2009
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