Radio Temeswar

Wirtschaftsmeldungen der Woche - 16.07.2009


Premierminister Emil Boc unterzeichnet am Montag in Ankara das Abkommen zum Bau der Erdgaspipeline Nabucco sowie die gemeinsame Erklärung der am Projekt beteiligten Staaten. Die Pipeline wird 3.300 Kilometer messen und von Azerbaidjan über Georgien, die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich führen. Auf rumänischem Gebiet sollen 457 Kilometer Pipeline gebaut werden. Die Investition beläuft sich auf 8 Milliarden Euro. Davon beträgt der Anteil Rumäniens 1,4 Milliarden. Die Bauarbeiten sollen 2011 beginnen und 2014 beendet werden. Vom Gesamtvolumen von rund 30 Milliarden Kubikmetern im Jahr, das durch die Nabucco-Pipeline transportiert werden soll, erhält Rumänien 2,5 Milliarden Kubikmeter. Das entspricht 15% des Landesgesamtverbrauchs. Die unverbrauchte Gasmenge darf an Dritte weiterverkauft werden.

Die Regierung entscheidet über den minimalen Steuersatz nachdem sie die Folgen evaluiert. Dies erklärte Premierminister Emil Boc. Die Sozial-Demokratien (PSD) forderten ihre Koaltionspartner, die Demokrat-Liberalen (PD-L), auf, ein konkretes Datum für die Abschaffung der Maßnahme festzulegen. PSD-Sprecher Bogdan Niculescu Divaz erklärte Anfang der Woche, seine Partei schlage als Termin den 1. September vor. Wirtschaftsminister Adriean Videanu seitens der PD-L erklärte seinerseits vergangene Woche, die Steuer sei ein Fehler der Regierung.

Das Autobauwerk in Craiova soll ein Nationalnetzwerk für die Zuliefererindustrie entwickeln. Dies forderte der Minister für Kleine und Mittelständische Unternehmen Constantin Nita innerhalb seines Treffens mit dem Vizepräsidenten von Ford Europa. Ins Gespräch kamen auch die Vorteile des Abkommens für freien Handel, das die Europäische Kommission mit Südkorea abschließen wird. Ford ist der Hauptaktionär von Automobile Craiova nachdem der amerikanische Autohersteller 2007 einen Anteil von 72,5% vom rumänischen Staat für 57 Millionen Euro erworben hat. Das Werk in Craiova war ein rumänisch-südkoreanisches Jointventure. Mittlerweile liegen die Anteile von Ford bei über 90%.

Die Einschreibungen von Neuwagen in Rumänien sind in der ersten Jahreshälfte um fast 60% im Vergleich zur selben Zeispanne des Vohrjahres gesunken. Gleichzeitig stiegen die nach Rumänien eingeführten Second-Hand-Autos um mehr als 70%. Dies teilte die Behörde für Autoeinschreibungen mit. In den ersten 6 Monaten des Jahres wurden rund 63.000 Neuwagen eingeschrieben und 129.000 Second-Hand-Autos. Die am meisten verkaufte Marke im Neuwagenbereich war Dacia.

Die ersten 30 Kilometer Autobahn auf der Strecke Bukarest - Kronstadt / Bucuresti - Brasov / werden in diesem Jahr eingeweiht, erklärte Premier Emil Boc. Bis zum Jahresende sollen die Strecke Moara Vlasiei - Ploiesti sowie die Umgehungsstraße bei Ploiesti fertig sein. Der Premierminister bezog sich auch auf die Strecke Comarnic - Brasov, die er als eine erste große öffentlich-private Partnerschaft charakterisierte. Der Vertrag für die Durchführung der Arbeiten befinde sich in der Endphase – so der Premier.

Die Ausschreibung für die Umgehungs-straße bei Diemrich - Broos / Deva - Orastie / im Autobahnformat wurde für den Herbst verlegt. Die Angebote können bis zum 1. September abgelegt werden, informiert die Nationalgesellschaft für Autobahnen und Landstraßen. Der Vertrag für die Bauarbeiten soll am 5. Oktober unterzeichnet werden. Die Autobahnstrecke mißt 33 Kilometer und soll in 2 Jahren gebaut werden. Die Investition wurde auf 260 Millionen Euro geschätzt. Die Kosten werden von der Europäischen Union und vom rumänischen Staatshaushalt getragen.

Die Modernisierungsarbeiten an der Nationalstraße 7 Deva - Arad - Nadlac werden Termingemäß bis Ende Juli beendet. Das Unternehmen, das die Arbeiten durchgeführt hat, muss nur noch einen Teil der Straßenmarkierungen erstellen. Das Projekt kostete 740 Millionen Lei. Davon waren 435 Millionen für die Strecke im Kreis Arad vorgesehen.

LKWs über 20 Tonnen dürfen auf der Landstraße 66 durch den Schil-Tal / Valea Jiului / bis Jahresende nicht mehr fahren. Grund dafür sind Erodierungen der Schil-Ufer an der Grenze zwischen den Kreisen Gorj und Hunedoara. Die Verkehrspolizei stellte Anzeigeschilder bei Petrosani, Targu-Jiu, Filiasi, Ramnicu-Valcea und Drobeta-Turnu-Severin. Die Schilder informieren die LKW-Fahrer über mögliche Umleitungen. Diese sind aber um hunderte Kilometer länger.

Der Erdölverarbeiter Rompetrol hat am Montag die Referenzpreise für den Sprit gesenkt. An den eigenen Tankstellen sind die Preise für Benzin um 2 Bani pro Liter niedriger und für Diesel um 3 Bani pro Liter.

Eine Temeswarer Wirtschaftsdelegation unternahm Anfang des Monats eine Reise nach Österreich und Ungarn. Die Geschäftsleute wurden von Vertretern der Stadt, des Kreises und der Temeswarer Handelskammer begleitet. Hauptziele der Reise waren der europäische und technologische Austausch sowie die Förderung des Geschäftsklimas in den drei Ländern. Die rumänische Delegation traf in Niederösterreich bei St. Pölten die Landesrätin für Wirtschaft und Tourismus Petra Bohuslav. Zu den Gesprächsthemen zählten die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Kleinen und Mittelständischen Unternehmen sowie die unterschiedlichen Methoden, diese Auswirkungen zu bekämpfen. Das Treffen wurde von der IHK Temeswar in Zusammenarbeit mit der Agentur eco-Plus-International Rumänien veranstaltet. Die Delegation besuchte anschließend die rumänischen Botschaft in Budapest. Dort trafen sich die Geschäftsleute mit dem Staatssekretären für Handel Stefan Imre. Dieser forderte die Temescher Unternehmer zu einer besseren Förderung der rumänischen Produkte auf dem ungarischen Markt auf.

Das Bruttoinlandsprodukt Rumäniens könnte im zweiten Quartal dieses Jahres im Vorjahresvergleich um mehr als 8,6 Prozent gesunken sein, schätzen die Experten der ING-Bank zitiert von der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien. Grund dafür sei die unerwartet starke Schrumpfung des Bausektors in den Monaten April bis Juni. Im Zeitraum Januar bis einschließlich Juni habe die Bauwirtschaft insgesamt rund 15 Prozent eingebüßt, im Mai aber betrug der Einbruch sogar runde 25 Prozent, hieß es. Auch die Probleme im Einzel-handel würden das Quartalsergebnis negativ beeinflussen – und im Zeitraum Juli bis September anhalten. Dies deute darauf hin, dass der Prozess einer Wiederbelebung der Wirtschaft in Rumänien nur „sehr langsam“ anlaufen könnte, schätzten die ING-Analysten.

Das Außenhandelsdefizit Rumäniens ist in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vorjahresvergleich auf mehr als die Hälfte geschrumpft. Die Exporte verringerten sich dabei um rund 20 Prozent, die Importe fielen in diesem Zeitraum um knapp 35 Prozent. Das teilte das Nationale Institut für Statistik mit. Diesen Informationen zufolge betrug das Außenhandelsdefizit im Monat Mai 2,63 Milliarden Euro.

Zum Schluss die Quotierungen der rumänischen Nationalbank von gestern-nachmittag: ein Euro wurde auf 4 Lei 21 bewertet und ein US-Dollar auf 2 Lei 99. 100 ungarische Forint waren heute 1 Leu 54 und 100 serbische Dinar 4 Lei 51. Ein Gramm Gold kostete 89 Lei und 60 Bani.

Hiermit endet auch die heutige Ausgabe unseres Wirtschaftsmagazins. Mit weiteren Wirtschaftsthemen melden wir uns in 7 Tagen zurück. Dann berichten wir unter anderem über beliebte Urlaubsziele des Sommers 2009. Haben Sie bis dahin eine erfolgreiche Woche!

 Adrian Ardelean, Temeswar, 16.07.2009
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