Radio Arad

Kirchweih im Schnee

In Wolfsberg, dem deutsch-bömischen Dorf des Banater-Berglands feierte man am vergangenen Wochenende das Kirchweihfest. Veranstalter waren auch in diesem Jahr das Deutsche Ortsforum und die Jugendorganisation Banat-JA Rumänien mit finanzieller Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen innerhalb der rumänischen Regierung und der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Bukarest. Das Fest mußte heuer wegen des frühzeitigen Wintereinbruchs um eine Woche verschoben werden. Diesmal war es gemütlich und meist sonnig, auch wenn noch einige weiße Schneeflecken die Berglandschaft beschmückten. 35 Trachtenpaare aus der Ortschaft, aber auch aus Reschitza, Arad und Nadlak sowie nach Deutschland ausgewanderte Wolfsberger machten heuer mit. Adi Ardelean war dabei und berichtet.

  

„Dort wo ich geboren bin, dort bin ich daheim...“
... sagt die 72-jährige Paulina Sutter und führt ihren Gedanken weiter:
„Uns, mir sei ma hier geboren, hier sei ma daheim. Jetz sei ma in Deutschland, mir wohnen bei die Kinner. Mir sei ma auch dort daheim und sei ma auch hier daheim.“

Zum Aufmarsch spielte die Blaskapelle der Freiwilligen Feuerwehr aus Nadlak – seit 17 Jahren die Kapelle der deutschen Kirchweihfeste, auch wenn die Musikanten der slowakischen Gemeinschaft angehören.

Die kleine Dorfkirche wurde 1870 der Heiligen Theresia von Avila am 15. Oktober geweiht. Der Festgottesdienst wurde am Samstagvormittag um 11 Uhr gefeiert.

Im Dorf lebt noch eine kleine deutsche Gemeinschaft. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien ist hier auch gut vertreten. Der Bürgermeister und fünf Gemeinderäte gehören dem Deutschen Forum an. Bürgermeister Karl Rank verriet uns einiges über das Fest.
„Kerweihfest wurde hier immer gehalten. Früher wurde da drei Tage gefeiert. Nach 1990 wurde das verändert. Gemeinsam mit Banat-JA Rumänien und Deutschland und den Deutschen, die noch hier geblieben sind, und die Gäste, die aus Deutschland kommen, halten wir, das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, dieses Fest nun bereits zum 17. Mal in diesem Stil. Heuer war es um eine Woche verschoben worden. Es gab hohen Schnee und keinen elektrischen Strom eine Woche lang.“

Auch die gebürtige Wolfsbergerin Paulina Sutter wurde von dem schlechten Wetter vor einer Woche überrascht.
„Es war so ein Sturm hier. Vielleicht als unsere Ahnen sich hier angesiedelt hatten, gab es so etwas. Ich habe in meinen 72 Jahren noch nicht erlebt, dass der Schnee so früh schon am 13. Oktober kommt.“

Der Schnee und der Stromausfall trugen heuer auch dazu bei, dass wenige Deutsche noch in Wolfsberger für das verschobene Fest blieben. Bürgermeister Karl Rank:
„Der Urlaub war für die meisten am vergangenen Wochenende eingeplant. Die meisten sind jetzt abgereist. Wir sind ziemlich wenige aber wir freuen uns trotzdem, dass wir mindestens noch eine Möglichkeit gehabt haben, die Kerweih an diesem letzten Oktoberwochenende zu organisieren. Jetzt haben wir Glück mit schönem Wetter.“

Paulina Sutter ist trotz der Wetterlaune für weitere zwei Wochen in ihrem Bergdorf geblieben. Sie erinnert sich, wie man das Kirwa-Fest zu ihrer Jugendzeit feierte.
„Frieer hamma auch andere Kirwa gehabt, wie ma mir waren ta, hat die Musik gspielt aus Wolfsberg und da ham sie vor jedem Mädchen gespielt, die hat missen Geld geben den Musikanten und eine Hähne oder a Kokosch, und da ham sie den Kokosch geschlagen, dann is die Musik wieder weiter gegangen im Saal drin, es war 3 Täg Kirweih und im letzten Tag war des mit dem Hahndeschlagen.“

Dieser Brauch gibt es in der Neuauflage des Festes nicht mehr. Die wichtigsten Elemente der Kirchweihtradition wurden aber beibehalten, wie Bürgermeister Karl Rank erörtert.
„Das war immer schon der Brauch so am ersten Kerweihtag, auch vor der Revolution, es wurde ein Baum geschmückt, der wird nach der heiligen Messe in der Mitte des Dorfes aufgestellt. Der Baum versinnbildlicht die Ernte. Die Kerweih ist hier auch ein Erntedankfest. Der Baum wird geschmückt und an ihm wird ein Tuch, ein Hut und eine Cognac-Flasche gehängt. Das sollen die Früchte sein.“

Und so hört es sich an, wenn der Baum hochschleppt wird. Trude Hudetz ist Vorsitzende von Banat-JA Reschitza und erklärt, was soeben passiert.
„Die Jungs tragen den Baum auf die Schulter und sie haben eine ganz spezielle Technik für das Aufstellen mit Leiter, mit Seilen um ihn dann zu befestigen und an ihm kommen dann der Hut, das Tusch und die Cognac-Flasche drauf, die dann in der Nacht verlsot werden.“

Und wenn der Baum mit seinen Früchten aufgestellt ist, dann wird nocheinmal richtig getanzt.

  

Kirchweihjugend gibt es in Wolfsberg seit der Wende nicht mehr. Dafür aber kommen jedes Jahr neben den zurückgekehrten ausgewanderten Dorfbewohnern Jugendliche der Arbeits-Kreise Banat-JA Rumänien, einer Jugendorganisation, die das traditionelle Fest nun weiterführt. Geschäftsführerin Adelheid Simon:
„Wir haben wieder die Gruppen aus Arad und aus Nadlak, natürlich sind auch unsere aus Reschitza mit dabei, sonst leider andere Gruppen nicht mehr. Einige sind auch ausgefallen, da wir das Datum verlegen mußten.“

Das Fest ist aber noch längst nicht fertig. Nach dem Mittagessen ruht man sich ein bisschen aus, denn danach wird wieder getanzt. Bürgermeister Karl Rank:
„Abends gibt es Ball ab 8 Uhr meistens bis in der Früh, solange ein jeder aushält. Seit einigen Jahren haben wir entschlossen, nur den Samstag zu feiern. Es reicht, wenn man von der Früh bis am Sonntag in der Früh durchfeiert. Das soll ja doch einem Jeden reichen.“

Neben der Nadlaceanca-Blaskapelle spielte zum Ball auch eine Kapelle der Ungarn-Deutschen aus Fünfkirchen/Pécs auf.
„Wir sind  die Tornado-Kapelle aus Südungarn, aus der Branau und wir wünschen Ihnen eine Gute Unterhaltung!“

Eine Schlussfolgerung zog nach dem Ball die Mitveranstalterin des Kirchweihfestes, Banat-JA-Geschäftsführerin Adelheid Simon:
„Es ist eine Premiere für Wolfsberg. Aber, wie gesagt, da einige Gruppen abgesagt haben, nußten wir nach einer Lösung suchen, hoffen aber auch, dass das nicht nur diesmal eine Lösung war, und dass wir vielleicht mit dieser Gruppe öfters zusammen arbeiten werden. Das sind aber Zukunftspläne, das lassen wir auf uns zukommen.“


10.27. Kirwa in Wolfsberg  


 Adrian Ardelean, Wolfsberg, 24.10.2009
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