Radio Temeswar

Wirtschaftsmeldungen der Woche - 20.05.2010

In den Wirtschaftsmeldungen dieser Woche geht es heute unter anderem um die angestrebten Sparmaßnahmen der Regierung zur Vermeidung eines Staatsbankrotts. Hinzu kommt der Veranstaltungskalender der deutschsprachigen Wirtschaftsclubs aus West-Rumänien. Klicken Sie auf „Mehr“!
Das Unternehmen European Contacts veranstaltete am heutigen Vormittag in Temeswar ein interaktives Seminar zum Thema „Biomasse als Energieträger“. Die Veranstaltung begann um 10 Uhr im Konferenzraum des Hotels Reghina Blue. Die wichtigsten Themen, die zur Debatte standen, waren: Biomasse, Biogas, Energie aus der Region für die Region und Biomasse als innovative Heiztechnik. Moderator war Manfred Engelmann, Vorsitzender des deutsch-rumänischen Wirstschaftsvereins Arad. --- Die Mitglieder des deutsch-rumänischen Wirtschaftsvereins in Arad kommen in diesem Monat am heutigen Donnerstagabend zusammen. Das Monatstreffen findet im Geschäftszentrum Waterhouse auf der Bodrogului-Straße ab 18 Uhr statt. Zu Gast ist Projektmanager Ovidiu Parv, der einen Vortrag über die Maroschau hält. Desweiteren besprechen die Geschäftsleute ihre Vorhaben für das laufende Jahr. --- Die Mitglieder des deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat trafen sich bereits vergangene Woche am Mittwoch in Temeswar. Das Monatstreffen fand im Konferenzraum von Central-Hotel neben dem Studio-Kino am Opernplatz statt. --- Zum den bevorstehenden Clubtätigkeiten und zu den Highlights des Monats Mai befragte das Wirtschaftsmagazin den Vorsitzenden des deutschsprachigen Wirtschaftsclubs Banat, Peter Hochmut.


Sie hören das Wirtschaftsmagazin bei Radio Temeswar – jetzt mit den Wirtschaftsmeldungen der Woche:

Finanzminister Sebastian Vladescu verteidigt inflexibel seine Stellung: alle Gehälter der Staatsbediensteten werden um 25% gekürzt und alle Renten um 15% reduziert. Innerhalb eines Treffens mit Vertretern der Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden wies der Finanzminister die Vorschläge zurück bezüglich der Nichtbesteuerung der Renten unter 1.000 Lei oder der Lebensmittelscheine. Desweiteren sollen die Beiträge zu den privaten Rentenfonds für die kommenden 2 Jahre eingefroren werden. Minister Vladescu legte außerdem am Mittwoch der Regierung einen Gesetzesentwurf zur harten Bekämpfung der Steuerhinterziehung vor.

Der Landesrat für Wirtschaft und Soziales forderte diese Woche die Regierung auf, einen neuen Brief an den Internationalen Währungsfonds zu redigieren. Darin sollten die Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise festgehalten werden, die die Gewerkschaften und die Arbeitgeberverbände vorgeschlagen haben. Das Dokument soll kommende Woche an den IWF geschickt werden, damit Rumänien die 5.te Darlehenstranche bis Ende Juni erhalten kann. Die Gewerkschaften drohten mit schärferen Protestaktionen, falls der Brief in der aktuellen Form zugeschickt werden sollte.

Die angekündigten Sparmaßnahmen der Regierung seien unabwendbar – erklärte der Gouverneur der Rumänischen Nationalbank Mugur Isarescu. Ohne diesen Maßnahmen würde das Haushaltsdefizit 9% des Bruttoinlandprodukts überschreiten – so Isarescu weiter. Er erklärte, der Staat habe Geld nur für 20 Tagen in einem Monat und muss für die verbliebenen 10 Tage Geld borgen. Die Zentralbank warnte schon vor 4 Jahren, dass die Gehälter schneller als die Arbeitsproduktivität steigen und dass eines Tages die Notwendigkeit einer Korrektur eintreffen wird – so der Notenbankchef.

Die Nationalbank gab durch den Chefökonom Valentin Lazea auch eine alternative Lösung zu den Sparmaßnahmen der Regierung: Die Staatsbediensteten sollen eine Woche im Monat in Zwangsurlaub geschickt werden. Einen Kompromiss sollte die Regierung auch für die Bezahlung der Mutterschaftsurlaube finden – so Lazea weiter.


Die mittel- und langfristige Auslandsverschuldung Rumäniens belief sich Ende März dieses Jahres auf mehr als 70 Milliarden Euro. Dies teilte die Nationalbank Rumäniens mit, zitiert von der online-Ausgabe der Allgemeinen Deutschen Zeitung. Damit ist die Außenverschuldung des Landes gegenüber Ende Dezember 2009 um fast 7 Prozent gestiegen. Die kurzfristige Außenverschuldung betrug fast 16 Milliarden Euro und lag damit um fast 9 Prozent über dem Niveau von Ende vergangenen Jahres. Die Verschuldungsrate Rumäniens lag im ersten Quartal bei knappen 35 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 33 Prozent. 2009 war die mittel- und langfristige Auslandsverschuldung Rumäniens um 24 Prozent auf rund 64 Milliarden Euro gestiegen.

Das Leistungsbilanzdefizit Rumäniens ist den zweiten Monat in Folge gestiegen, nachdem es 16 Monate lang kontinuierlich geschrumpft war. Mit einem Fehlbetrag von 1,5 Milliarden Euro im ersten Quartal dieses Jahres lag das Defizit rund 65 Prozent höher als vor einem Jahr, wie die Nationalbank desweiteren mitteilte. Die ausländischen Direktinvestitionen sanken mit rund 750 Millionen Euro auf knapp die Hälfte im Vorjahresvergleich. Sie deckten den Fehl-betrag in der Leistungsbilanz dementsprechend nur zur Hälfte ab.

Hier auch die Referenzkurse der rumänischen Notenbank für heute: ein Euro wurde gestern Nachmittag mit 4Lei19 quotiert und ein US-Dollar mit 3Lei44. Der Referenzkurs für ein Hundert ungarische Forint lag bei 1Lei49 und für ein Hundert serbische Dinar bei 4Lei14. Ein Gramm Gold wurde auf 134 Lei und 5 Bani gewertet.

Das Erdgas könnte ab dem 1.sten Juni teurer werden – so die Angaben der Nationalbehörde zur Preisregelung im Energiebereich. Die Haushaltskonsumenten werden demzufolge 5% mehr Verwaltungskosten zahlen. Die Preiserhöhung wurde bereits vor mehreren Monaten seitens der Erdgaslieferer beantragt. Grund dafür sei einerseits die Preiserhöhunng für Erdgas auf den internationalen Märkten und andererseits der Wertverlust des rumänischen Leu im Vergleich zum amerikanischen Dollar.

Nun zu den Themen aus der Lokalwirtschaft:

Die Temeswarer könnten die altvergessenen Zeiten wieder erleben: das warme Leitungswasser könnte nur mehr zu bestimmten Zeitabschnitten geliefert werden. Grund dafür seien die hohen Schulden, die die Fernheizzentrale Colterm an den Erdgaslieferer OMV-Petrom-Gaz hat. Diese belaufen sich auf mehr als 80 Millionen Lei. Falls die Fernheizzentrale ihre Schulden nicht begleicht, wird die gelieferte Erdgasmenge reduziert. Colterm schiebt die Schuld auf die nicht einkassierten Subventionen vom Lokalhaushalt und vom Staatshaushalt. Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu erklärte, das Problem finde nur dann eine Lösung, wenn der Preis für die Gigakalorie steigen würde. Der Stadthaushalt könne die Subventionen nicht tragen, wenn die Bürger nur die Hälfte des Energiepreises bezahlen. Colterm versucht nun die Zahlungsfrist der Schulden zu verschieben und gleichzeitig die Zeitspanne für die jährlichen Revisionsarbeiten zu verlängern, um weitere Kosten zu sparen.

Bürgermeister Gheorghe Ciuhandu verzichtet auf die Einführung der Habitatgebühr in Temeswar. Diese soll in einen Solidaritätsfonds umgewandelt werden. Es sei inakzeptabel, dass die deutschen Steuerzahler Millionen Euro für die Instandsetzung der historischen Gebäude Temeswars zahlen, während die Stadtbewohner nicht einmal die vorgeschlagenen 40 Lei im Jahr abgeben wollen – so Bürgermeister Ciuhandu. Er will nun einen Fonds gründen, an dem sich nur diejenigen Bürger mit 40 Lei beteiligen sollen, die es möchten, dass die historischen Gebäuden der Stadt rennoviert werden. Jede drei Monate wird Bürgermeister Ciuhandu die Liste mit den Zahlern veröffentlichen und damit beweisen, wie solidarisch die Temeswar sind.

Die Städte Arad und Jula wollen ihre Infrastrukturprojekte über ein europäisches Projekt synchronisieren. Erarbeitet werden sollen 4 Verkehrsstudien, für die Verbindung der ungarischen Autobahn M44 mit der rumänischen Landstraße 79 Arad – Großwardein. Das Projekt wird aus EU-Geldern mit 570 Tausend Euro finanziert. Die Stadtverwaltungen müssen hinzu 8 Tausend Euro als Eigenbeitrag leisten.

Hiermit endet, meine Damen und Herren, auch diese Ausgabe unseres Wirtschaftsmagazins. Mit aktuellen Wirtschaftsthemen erwarte ich Sie in zwei Wochen wieder. Kommenden Donnerstag laden Sie die Radioredaktionen des Medienvereins FunkForum zu ihrer monatlichen Gemeinschaftssendung ein, zum FunkMagazin. Haben Sie bis dahin eine erfolgreiche Woche!

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 Adrian Ardelean, Temeswar, 20.05.2010
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