Radio Temeswar

Wirtschaftsmeldungen der Woche - 03.06.2010

Die Wirtschaft Rumäniens erreicht ihren tiefsten Stand seit dem Übergang zum Kapitalismus vor 20 Jahren, die Regierung in Bukarest trifft Demokratie-gefährdende Sicherheitsmaßnahmen vor der Umsetzung ihres Sparpakets - UND - Das Verkehrsministerium bestraft Straßenbau-unternehmer für Nichteinhaltung des Arbeitenkalenders. Mehr dazu erfahren Sie aus den Wirtschaftsmeldungen der Woche mit Adi Ardelean.
Sie hören das Wirtschaftsmagazin bei Radio Temeswar – jetzt mit den Wirtschaftsmeldungen der Woche:

Die Regierung gab am Sonntagabend grünes Licht für das Sparmaßnahmenprogramm. Die Exekutive beschloss, die Gehälter im Staatssektor um 25% zu reduzieren und die Renten, das Arbeitlosengeld sowie den Kleinkinderfürsorgebeistand um 15%. Die Sonderrenten sollen neuberechnet und die Dossiers für Frührenten in Krankheits- oder Invaliditätsfälle wieder analysiert werden. Komplett gestrichen werden sollen die Subventionen für Fernheizung, die Kurkarten für Rentner, die Hilfen für Neugeborene und Frischverheiratete, die Ermäßigungen für Rentner und Lehrer im öffentlichen Verkehr sowie der 13.te Monatslohn. Besteuert werden sollen die Lebensmittelscheine, sowie die Geschenk- und Urlaubsscheine, die Zinsen für Geldeinsparungen in Bankkonten, die Abfindungsgelder sowie die Gehälter der Angestellten aus dem IT-Bereich. Nicht beeinträchtigt von den Sparmaßnahmen sind das minimale Einkommen, die minimale Sozialrente, das Kindergeld, die Stipendien für Schüler und Studenten, der Behindertenbeistand, die Renten der ehemaligen Flüchtlinge, der Kriegsveteranen und -behinderten, sowie der politisch Verfolgten. Dementsprechend leiden unter dieser Maßnahme die ehemaligen Baragan- und Russlandverschleppten nicht. Zwei Gesetzesentwürfe bezüglich der Sparmaßnahmen legte die Regierung dem Parlament vor.

Wenn die anstehenden Maßnahmen nicht sofort eingeführt würden, könnten die Gehälter der Staatsbediensteten im kommenden Jahr um 50% reduziert werden. Dies erklärte Arbeitsminister Mihai Seitan. Er schloss desweiteren die Möglichkeit eines kompletten Staatsbankrotts nicht aus. Dann würden die Gehälter und die Renten gar nicht mehr bezahlt werden, so der Minister. Beabsichtigt durch das Ministerium werden auch weitere Sparmaßnahmen: die autorisierten natürlichen Personen und die Nutznießer von Urheberrechten sollten künftig auch Renten- und Arbeitslosengeld zahlen. Desweiteren schlug der Arbeitsminister vor, auch die Gehälter der Angestellten aus den Unternehmen mit mehrheitlichem Staatskapital um ein Viertel zu kürzen. Finanzminister Sebastian Vladescu antwortete darauf, dass diese letzte Maßnahme nur über einen neuen Gesetzesentwurf durchgezogen werden könnte.

Die Staatsbediensteten antworteten auf die angekündigten Sparmaßnamen bereits am Montag mit der Auslösung eines Generalstreiks. Ihren Protesten schlossen sich die Rentner an. Die Staatsbediensteten und die Rentner beabsichtigen, ihre Proteste so lange weiterzuführen, bis die Regierung vor dem Parlament die Verantwortung für das Sparmaßnahmenpaket übernimmt.

Die Regierung könnte am kommenden Montag vors Parlament treten, um die Verantwortung für die Gesetzesentwürfe zur Einsparung zu übernehmen. Premier Emil Boc wurde am Mittwoch von den parlamentarischen Büros der beiden Kammern vorgeladen, um die beiden Gesetzesentwürfe der Regierung vorzustellen. Geklärt werden sollte vor allem die Einberufung eines Verfassungsartikels, der die Bürgerrechte zeitweilig begrenzen könnte.

Mitten in der Krise, während die Regierung die Gehälter und die Renten reduziert, streicht das Parlament die Schulden an den Staatshaushalt von 34 staatseigenen Unternehmen im Wert von 8,3 Milliarden Euro. Rund die Hälfte davon kommen vom größten Schuldner, der Nationalgesellschaft für Kohle Pertoschen.

Die Wirtschaft Rumäniens erreicht ihren tiefsten Stand seit dem Übergang zum Kapitalismus vor 20 Jahren – verzeichnet die spanische Tageszeitung El Pais. Die Ergebnisse der ersten 4 Jahresmonate zeigten ein Schrumpfen des Brutto-Inland-Produkts um 2,5%. Im vergangenen Jahr verlor das Brutto-Inland-Produkt weitere 7,1%. Mit diesen Zahlen belegt Rumänien den schlechtesten Platz innerhalb der Europäischen Union. Die spanische Zeitung kommentiert desweiteren, dass dieses Problem schlechter ausfällt, da für das Jahr 2010 kein Wirtschaftswachstum in Aussicht steht.

Niedrige Zinsen und verlockende Angebote – das stellen die kommerziellen Banken ihren Kunden vor. Die Rumänische Entwicklungsbank verkauft beispielsweise Hypothekenkredite in Euro mit einem jährlichen Zinssatz zwischen 3,7 und 4,7%, während die Raiffeisenbank die jährlichen Zinssätze zwischen 4,9 und 5,5% festlegt. Um die Bevölkerung zu überzeugen, hohe Kredite für Wohnungen aufzunehmen, stellen die Banken auch hohe Gewinnpreise ins Spiel. Die meisten Rumänen können sich entweder solche Kredite nicht leisten, oder wollen von weiteren Verschuldungen nichts mehr wissen.

Hier auch die Referenzkurse der rumänischen Notenbank für heute: ein Euro wurde gestern Nachmittag mit 4Lei18 quotiert und ein US-Dollar mit 3Lei41. Der Referenzkurs für ein Hundert ungarische Forint lag bei 1Lei51 und für ein Hundert serbische Dinar bei 4Lei08. Ein Gramm Gold wurde auf 134 Lei und 19 Bani gewertet.

Die Behörden aus der West-Region Rumäniens ziehen europäische Gelder über das Operationelle Regionale Programm an. Beim Sitz der Agentur für Regionalentwicklung wurden bisher 420 Projekte eingereicht. Davon wurden 62 beglaubigt im Wert von insgesamt 180 Millionen Euro. Weitere 260 Projekte sind in verschiedenen Bewertungsphasen. Diese belaufen sich auf insgesamt 825 Millionen Euro. Die West-Region verfügt über 416 Milliarden Euro über das Operationelle Regionale Programm.

Strafen für Nichteinhaltung des Arbeitenkalenders. Das mußte das italienische Unternehmen Astaldi zahlen. Grund dafür sind Verspätungen mit den Bauarbeiten an der Landstraße 79 Arad – Großwardein. Diese starteten im Februar vergangenen Jahres und wurden bisher nur zu 10% beendet. Der Termin für die Abgabe der Arbeiten läuft in 8 Monaten ab. Das Verkehrsministerium erteilte dem Unternehmen eine Geldstrafe im Wert von 4 Millionen Lei und traf auch weitere Bußmaßnahmen gegen die italienische Firma.

10 Angestellte aus Nadlak der Nationalen Gesellschaft für Autobahnen und Nationalstraßen werden verhört, nachdem die australische Hard-Rock-Band AC/DC eine Klage gegen das Unternehmen eingereicht hat. Die Vertreter der Musikgruppe erklärten, ihnen wurden je 50 EUR für die insgesamt 29 LKW-s mit dem Konzertequipment an der Landesgrenze verlangt. Den Fahrern wurden die Mauttickets der LKW-s während ihres gesamten Aufenthalts in Rumänien verlangt, was gegen die Vorschriften stößt – so die Direktorin der Straßenverwaltungsgesellschaft Dorina Tiron. Am Tag, als die LKW-s die Grenze passierten, waren 10 Angestellte der Gesellschaft im Dienst, erklärte der Direktor der Regionalabteilung Temeswar, Ioan Malita. Der Vorfall sei nicht singulär, erklärte er weiter, zwei ehemalige Angestellte seien bereits wegen Schmiergeldannahme verurteilt worden. AC/DC hatte am 16.ten Mai in Bukarest konzertiert.

Die Internationale Messe für Lebensmittel und Landwirtschaftsprodukte Tim-Agralim wurde am heutigen Donnerstag in Temeswar eröffnet. Die Messe findet zum Teil beim Regionalen Handelszentrum statt und zum Teil auf dem Gelände der Universität für Landwirtschaftswissenschaften auf der Arader Straße. Im Handelszentrum wurden 4 Salons aufgestellt: für Landwirtschaftsprodukte und -maschinen, für Gartenbau und Grünflächen, für Lebensmittelindustrie sowie für ökologische und traditionelle Produkte. An der Landwirtschafts-Uni sind weitere 3 Salons: für Viehzucht, für Mechanisierung in der Landwirtschft sowie für Dienste und Produkte aus dem Bereich Agro-Lebensmittel. Zeitgleich werden 2 weitere Events beim Regionalen Handelszentrum veranstaltet: der Regionalsalon für Forschung, der heuer 20 Forschungsinstitute und Universitäten vereint, und die Ausstellung „Energie der Zukunft”, in der erneuerbare Technologien vorgestellt werden. Die Messe Tim-Agralim ist bis Sonntag offen.

Das Programm Grünes Haus für natürliche Personen wird Ende dieses Monats funktionsfähig gemacht – versichert Umweltminister Laszlo Borbely. Für dieses Projekt seien 110 Millionen Lei vorgesehen, so Borbely weiter. Das Geld wird in der Region abhängig von der Kreisbewohnerzahl verteilt. Für Wandzentralen werden je 3000 Lei abgerechnet, für Solarzellen auf dem Dach je 6000 Lei und für Wärmepumpen je 8000 Lei.

Hiermit endet, meine Damen und Herren, auch diese Ausgabe unseres Wirtschaftsmagazins. Mit weiteren aktuellen Wirtschaftsthemen erwarte ich Sie in 7 Tagen wieder. Dann unter anderem mit den Hinweisen aus der Rechtspraxis der Anwaltskanzlei Hategan. Haben Sie bis dahin eine erfolgreiche Woche!

06.03. WM  


 Adrian Ardelean, Temeswar, 03.06.2010
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