Radio Arad

302. Wallfahrt nach Maria Radna

Die Wallfahrten zum Hochfest Maria Geburt am 8.ten September nach Maria Radna starteten bereits am vergangenen Sonntag. Die päpstliche Basilika ist der traditionelle Wallfahrtsort der Banater Schwaben aber auch aller Katoliken aus der gesamten Region. Sie beherrbergt ein Gnadenbild der Heiligen Maria Mutter Gottes, das nach einem verhehrenden Brand während der Türkenzeit intakt geblieben ist. Die Neuarader, als Nachfolger der ersten Wallfahrer nach Radna pilgern traditionsgemäß dorthin am ersten Septembersonntag oder am letzten Augustsonntag. Adi Ardelean begleitete die Pilger auf ihrer Wallfahrt. Was ihn dazu bewegte, das erzählt er uns selbst.

In meinem Wohnzimmer steht seit vielen Jahren eine alte Blumenvase mit dem Abbild der Basilika von Maria Radna. Meine Großmutter schenkte mir diese Vase und erzählte mir, dass sie als kleines Kind noch vor dem 2.ten Weltkrieg mit ihrer Mutter nach Radna pilgerte. Damals ging die gesamte Gemeinde zu Fuß auf Wallfahrt. Es gab auch ein paar Pferdewagen für das Gepäck, für das Essen und für die Übernachtung unterwegs. Dort durften nur die alten Leute und die kleinen Kinder mitfahren. Das Ziel der Reise war die in der Vase abgebildete Basilika in Radna, die zum Feiertag Maria Geburt am 8.ten September hoch gefeiert werden sollte. Tausende Pilger aus einem Umkreis von bis zu ein Hundert Kilometern sammelten sich dort, um vor dem Gnadenbild der Heiligen Maria Mutter Gottes zu beten. Solche Erzählungen schienen vor der Wende 1989 aus einer weiten Vergangenheit zu stammen, da fast niemand mehr während des Kommunismus zu den Wallfahrtsorten pilgerte. Die letzten 20 Jahre brachten aber die alten Bräuche wieder zurück. Die Pferdewagen wurden zwar mit Autos und Kleinbussen ersetzt, damit aber fahren nachwievor die alten Leute und die kleinen Kinder. Die mittlere Generation, die früher zu Fuß pilgerte, ging für solche Bräuche verloren. Meine Großmutter konnte diese neuen Zeiten nicht mehr erleben, die Begeisterung aus ihren Erzählungen aber überzeugte mich, mitzumachen und gleich mehr darüber zu erfahren. Als erstes stellte ich mir die Fragen, ob es die Wallfahrten nach Maria Radna auch vor der Kindheit meiner Großmutter gab, wann sie gestartet wurden und was die Menschen damals dazu bewegte? Das Arhiv von Maria Radna gab mir die Antwort auf meine Fragen: Die erste Wallfahrt zum Gnadenbild der Heiligen Mutter Gottes in Radna wird 1709 urkundlich erwähnt, infolge des Versprechens einer Frau aus Arad nach überstandener Pest. Auch wenn damals Neuarad eine selbständige Ortschaft war und die kleine Gemeinde erst 50 Jahre später von der Pest erreicht wurde, sind die jetzigen Neuarader die Einzigen aus der Stadt Arad, die das alte Versprechen noch einhalten, als Nachfolger der ersten Wallfahrer nach Maria Radna. Und die Geschichte wiederholt sich jedes Mal auch nach mehr als 300 Jahren. Die Pilger kommen hierher, um die Heilige Maria anzubeten. Dass sie auch hilft, das kann man aus der großen Sammlung von Votivbildern aus der Basilika sehen, die von den Leuten gespendet wurden, denen die Heilige Mutter geholfen hat. Und eben darüber handeln auch die Gebete und Lieder, die die Pilger während der Wallfahrt sprechen und singen.


08.31. Bericht Radna  


08.31. O-Ton Radnamp3  


 Adrian Ardelean, Arad, 31.08.2010
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